Erster Bestandskatalog der Oldenburger Radziwill-Werke

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Erster Bestandskatalog der Oldenburger Radziwill-Werke
Oldenburg (epd).

Erstmals veröffentlicht das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte einen vollständigen Katalog sämtlicher Werke des Künstlers Franz Radziwills (1895-1983) aus den Sammlungen im Landesmuseum und im Stadtmuseum Oldenburg. Kein anderes Museum sei so eng mit seinem Werk verbunden, teilte das Haus am Donnerstag mit. Das Buch „Franz Radziwill in Oldenburg“ soll am 17. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Seit seiner Eröffnung im Februar 1923 begleite das Landesmuseum die Entwicklung des Malers, hieß es. Heute befinde sich dort die größte öffentliche Sammlung an Arbeiten Radziwills. Sie beinhalte Hauptwerke aus allen Schaffensphasen und seltene kunstgewerbliche Arbeiten und Druckgrafiken.

Grundlage der umfangreichen Publikation sei die wissenschaftliche Neubearbeitung der Oldenburger Bestände durch die Kunsthistorikerin Birgit Denizel. Sie habe die Bestände und sämtliche den Werken zuzuordnende Archivalien akribisch erforscht und dabei überraschende Neuerkenntnisse zu Tage gefördert: Zahlreiche Werktitel und -Datierungen konnten korrigiert und Provenienzen geklärt werden. Etliche Werke seien in dem neuen Band erstmals in Farbe abgebildet. Neben der Entstehungsgeschichte der Werke thematisiere das reich illustrierte Buch auch die vielfachen, vom Künstler selbst über Jahre hinweg vorgenommenen Veränderungen und Übermalungen seiner Gemälde.

„Auf den reichen Bestand an Werken Franz Radziwills sind wir besonders stolz“, sagte Museumsdirektor Rainer Stamm: „Das Werk dieses Meisters des Magischen Realismus gehört zu den wichtigsten Positionen der Kunst Nordwestdeutschlands.“ Die Sammlungen der beiden Oldenburger Museen zeigten lückenlos den Weg des Künstlers vom Expressionismus über die Neue Sachlichkeit bis in die Nachkriegsmoderne.

Radziwill gilt in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts als Einzelgänger. Geboren in der Wesermarsch und aufgewachsen in Bremen kam er 1921 zum ersten Mal nach Dangast und ließ sich dort ab 1923 nieder. Hier entstand das Frühwerk des Malers in Anlehnung an die Brücke-Künstler, die den Ort 1907 für sich entdeckt hatten. Über seine Wahlheimat in dem Fischer- und Badeort schwärmte er, Dangast sei „zwischen Bergen und Rotterdam die farbigste Ecke der Welt“.

Während der NS-Zeit gehörte Radziwill der NSDAP an und war von 1933 bis 1935 bis zu seiner Entlassung wegen „pädagogischer Unfähigkeit“ als Lehrender für Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf tätig. Ab 1937 galten viele seiner Frühwerke als „entartet“. Ab 1938 bis zum Ende der NS-Zeit waren Einzelausstellungen seiner Werke verboten. Dennoch fanden seine Arbeiten immer wieder Anerkennung.