Missionswerk: Westafrika leidet unter verheerenden Pandemie-Folgen

s:66:"Missionswerk: Westafrika leidet unter verheerenden Pandemie-Folgen";
Missionswerk: Westafrika leidet unter verheerenden Pandemie-Folgen
Bremen (epd).

Die westafrikanischen Länder Togo und Ghana leiden nach Informationen der Norddeutschen Mission in Bremen unter verheerenden Folgen der Corona-Pandemie. „Viele Menschen sind durch die Krise in absolute Armut gerutscht“, sagte die Sprecherin des Missionswerkes, Antje Wodtke, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ihre Situation sei geprägt von schlechter Versorgung und mangelhafter Ernährung. Sie hätten vor allem kein Geld für eine medizinische Behandlung, geschweige denn für einen Krankenhausaufenthalt.

„In der Folge erkranken viele ernsthaft oder sterben, nicht nur an Corona, sondern auch an anderen Krankheiten“, führte Wodtke aus. Das gelte, obwohl die Corona-Infektionszahlen und Sterberaten im Vergleich nach wie vor nicht so hoch seien wie in Deutschland: „Das hat damit zu tun, dass die Bevölkerung jünger ist und die Mobilität geringer. Auf der anderen Seite wird aber deutlich weniger getestet, und die Feststellung der Todesursache ist nicht so eindeutig.“

Im Bildungsbereich sieht die Situation ebenfalls dramatisch aus. „Die Schulen waren lange geschlossen, zum Teil gab es digitalen Unterricht, der aber nicht allen Schülerinnen und Schülern zugänglich ist - aus finanziellen Gründen oder weil es auf dem Land kein Internet gibt“, erläuterte Wodtke. Allein in Ghana seien im Lockdown 222 Schulen in privater Trägerschaft pleite gegangen, 40.000 Kinder seien ohne Schulplatz.

Auch die Mitgliedskirchen der Norddeutschen Mission in Togo und Ghana waren aufgrund der Pandemie in eine schwierige finanzielle Lage geraten. Hintergrund war ein Gottesdienstverbot in den beiden Ländern, das ausgesprochen wurde, um das Infektionsrisiko zu senken. Damit konnten in den Gemeinden über Monate keine Kollekten und andere Mitgliedsbeiträge gesammelt werden, die finanzielle Kirchenstruktur brach auch aufgrund fehlender Rücklagen zusammen.

Das Missionswerk habe ein Corona-Nothilfe-Paket von bislang 170.000 Euro aufgelegt, sagte Wodtke. Dazu gehörten Extra-Zuschüsse ihrer vier deutschen Mitgliedskirchen, Rücklagen des Missionswerkes, Einzelspenden und eine Gehaltsspendenaktion deutscher Pastorinnen und Pastoren.

Auf einer digitalen Hauptversammlung am 5. Juni haben Vertreter aller Mitgliedskirchen den Angaben zufolge die Etats des Missionswerkes für 2022 und 2023 mit einem Gesamtvolumen von 1,38 und 1,35 Millionen Euro verabschiedet. Etwa die Hälfte der Budgets besteht aus kirchlichen Zuschüssen, die ab 2022 aufgrund von Sparzwängen in den deutschen Kirchen sinken sollen.

Überdies wurde während der Hauptversammlung ein Verhaltenskodex zum Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt verabschiedet. Zum Missionswerk gehören evangelische Kirchen in Togo und Ghana, die Bremische Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelisch-reformierte Kirche und die Lippische Landeskirche. Die Norddeutsche Mission engagiert sich in Westafrika hauptsächlich entwicklungspolitisch und im theologischen Austausch. In Togo gibt es etwa 135.000 Kirchenmitglieder, in Ghana 150.000.