Kirche erinnert an Welt-Suizid-Präventionstag

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Kirche erinnert an Welt-Suizid-Präventionstag
Oldenburg (epd).

Die oldenburgische Kirche will mit einem Gottesdienst am 10. September auf den Welt-Suizid-Präventionstag aufmerksam machen. „Wir wollen Angehörigen und Menschen, die darüber nachdenken, sich selbst zu töten, Mut machen, über ihre Gedanken und Probleme zu reden“, sagte Pastorin Elke Andrae von der Telefonseelsorge am Montag in Oldenburg. Der Gottesdienst für alle Menschen im Oldenburger Land beginnt in der evangelischen Ansgarikirche in Oldenburg um 18 Uhr. Er steht unter der Überschrift: „Keinen Tag soll es geben, da Du sagen musst, keiner ist da!“

Oft zögen sich Menschen mit suizidalen Gedanken in ihr Inneres zurück, erläuterte Andrae. „Aber schweigen macht alles schlimmer. Darüber reden macht es dagegen meistens besser.“ Darum richte sich der Gottesdienst auch an diejenigen, die einen Angehörigen oder befreundeten Menschen durch einen Suizid verloren haben. Es sei besser, über solche belastenden Erfahrungen zu sprechen, als diese allein mit sich herumzutragen.

Eine „Erste Hilfe“ könne die Telefonseelsorge oder die Chat- und E-Mail-Seelsorge bieten, sagte die Pastorin. Das vergangene Corona-Jahr mit seinen Einschränkungen sei für viele Menschen belastend gewesen. Dies sei auch in der Chat-Seelsorge zu spüren, die vor allem von jungen Menschen zwischen 15 und 30 Jahren genutzt werde. Viele der am Chat Teilnehmenden berichteten von Mutlosigkeit und depressiven Gedanken.

Andrae verwies auf die neue App „Krisenkompass“ für das Handy, die eine wertvolle Hilfe bei depressiven Gefühlen oder Suizidgedanken sein könne. „Quasi ein 'Notfallkoffer' für die Hosentasche.“ Auf der kostenlosen App könnten beispielsweise ein Tagebuch geführt sowie Dinge gespeichert werden, die bei vorherigen Krisen geholfen haben. Das könnten Ansprechpartner sein oder auch positive Gedanken oder ermutigende Musik.

Der Neurologe und Psychiater der Oldenburger Karl-Jaspers-Klinik, Claus Bajorat, ergänzte, bundesweit nähmen sich jährlich rund 10.000 Menschen das Leben. Hinzu kämen etwa 100.000 Suizidversuche. Im vergangenen Jahr sei diese Zahl zwar offenbar gesunken, doch gebe es dafür noch keine Erklärung.

Der Mediziner betonte, er halte in vielen Fällen eine Prävention für möglich. Auch er riet dazu, über depressive Gedanken frühzeitig zu sprechen. Oft könne der Hausarzt ein erster Ansprechpartner sein. Hilfesuchende könnten sich auch an das bundesweite „Bündnis gegen Depression“ wenden, das über die Suchmaschinen im Internet schnell zu finden sei, sagte Bajorat. Dort werde auf seriöse Hilfsangebote in den Regionen verwiesen.