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Prozess gegen Högel-Vorgesetzte geht in die Schlussphase
Oldenburg (epd).

Der Prozess gegen insgesamt sieben frühere Vorgesetzte des Patientenmörders Niels Högel endet früher als ursprünglich erwartet. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann kündigte am Montag an, dass er an diesem Dienstag (20. September) eine Einschätzung zum Prozessablauf abgegeben werde. Am 12. Oktober sollen die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage ihre Plädoyers halten, ab dem 13. Oktober dann die Verteidigung. Am 24. Oktober werden die Angeklagten das letzte Wort erhalten. Das Urteil will Richter Bührmann am 25. Oktober fällen. (Az.: 5 Ks 20/16)

Als voraussichtlich letzten Zeugen befragte Richter Bührmann am Montag den einzigen früheren Kollegen Högels, der 2014 von sich aus an die Staatsanwaltschaft herangetreten war. Allerdings hatte der Zeuge L. selbst nur wenig mit Högel zu tun und verließ bereits 2001 die herzchirurgische Station in Oldenburg. Von den Mutmaßungen und Verdächtigungen gegenüber Högel im Kollegenkreis habe er nur von früheren Kollegen, vor allem aber von seinem damals besten Freund und Kollegen Ewald H. gehört.

Laut L. deutete Ewald H. in Gesprächen, Kurznachrichten und E-Mails „sehr deutlich“ an, „dass Niels Patienten schwer schädigt“. Von Tötungen oder gar Mord sei jedoch nie die Rede gewesen. Als in den Medien dann berichtet worden sei, dass Högel sehr viel mehr Menschen getötet haben soll, als bis dahin bekannt war, habe er nicht länger schweigen wollen und sich an die Staatsanwaltschaft gewendet, sagte L. im Zeugenstand.

Im Laufe des Prozesses musste Ewald H. bereits als Zeuge aussagen. Er berief sich jedoch auf große Erinnerungslücken und wurde vom Vorsitzenden Richter vereidigt. Bei der Staatsanwaltschaft läuft derzeit ein Verfahren wegen Meineids gegen Ewald H..

Die Verteidigerin eines der angeklagten Ärzte bat den Richter, aus den Protokollen zum Aussageverhalten des Zeugen L. zu zitieren. Daraus wurde deutlich, dass sich dessen Erinnerungen über die Jahre veränderten und er seine Eindrücke heute anders bewertet, als bei seinen früheren Befragungen.

Unter den insgesamt sieben Angeklagten sind Ärzte, ein früherer Geschäftsführer und Verantwortliche aus der Pflege aus dem Klinikum Oldenburg und dem damaligen Krankenhaus Delmenhorst. Ihnen wird Beihilfe zur Tötung durch Unterlassen vorgeworfen. Der Ex-Krankenpfleger Högel war am 6. Juni 2019 vom Oldenburger Landgericht zu einer lebenslangen Haft wegen 85 Morden verurteilt worden. Er hatte Patienten mit Medikamenten vergiftet, um sie anschließend reanimieren zu können. So wollte er als Lebensretter glänzen.