"One Love"-Binde: Evangelische Pastoren enttäuscht von DFB
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"One Love"-Binde: Evangelische Pastoren enttäuscht von DFB
Hannover (epd).

Der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Horst Gorski, zeigte sich von der Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) enttäuscht, bei der Fußballweltmeisterschaft auf die „One Love“-Binde zu verzichten. „Ich finde es fragwürdig, dass der DFB sich wegduckt“, sagte der Theologe am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Queer-Pastor der größten EKD-Gliedkirche, der hannoverschen Landeskirche, Theodor Adam, drückte ebenfalls sein Bedauern aus.

Insgesamt sieben europäische Nationalmannschaften hatten im Vorfeld der WM angekündigt, mit der Binde antreten zu wollen, die eine Regenbogenfahne in einem Herz zeigt. Auf Druck des Weltfußballverbandes Fifa hatten die Teams ihre Entscheidung am Montag zurückgenommen.

Gorski nahm die Sportler vor dem Vorwurf in Schutz, sie instrumentalisierten mit der Armbinde den Sport. Großsportereignisse würden von Ausrichtern, Sponsoren und Verbänden wie der FIFA regelmäßig politisch genutzt. Der Vorwurf müsste sich daher auch gegen diese richten. Ein unpolitischer Sport sei ohnehin nicht vorstellbar.

Die Menschenrechtslage in Katar müsse kritisiert werden. „Dennoch wünsche ich mir im Gespräch zwischen den Kulturen auf dieser Welt von unserer Seite einen nachdenklicheren und weniger vollmundigen Ton“, gab Gorski zu bedenken. „Viele Kulturen in anderen Teilen der Erde stehen eben nicht an dem Punkt, an dem wir heute stehen.“ Man dürfe nicht vergessen, dass auch in Deutschland Homosexualität noch vor 15 Jahren nicht überall anerkannt gewesen sei und homosexuelle Handlungen teilweise noch bis 1994 strafbar waren.

Der evangelische Theologe sprach sich dagegen aus, in der Debatte um die WM in Katar das Thema Homosexualität symbolisch in den Mittelpunkt zu stellen. „Das Thema ist etwas unglücklich zum Symbol für westliches Denken geworden.“ Wegen dieser politischen Aufladung werde Homosexualität vielerorts erst recht bekämpft, nicht nur in der arabischen Welt, sondern etwa auch in Russland, Polen und Ungarn.

Aus Sicht des Beauftragten für Queere Seelsorge in der hannoverschen Landeskirche, Theodor Adam, wäre es ein „mutiges Signal“ gewesen, wenn der DFB seinen Sportlern das Tragen der Armbinde erlaubt hätte. Das ursprüngliche Vorhaben der Sportler sei immerhin ein „leises Zeichen eines Kulturwandels“. Es sei bemerkenswert, dass ausgerechnet eine Regenbogen-Binde im noch immer von „stereotypen Männlichkeitsvorstellungen“ dominierten Fußball zum Bekenntnis für Toleranz und Respekt für queere Menschen werden sollte.

Gerade die Nationalelf wirke vorbildhaft in die Breite des Sports. Wenn ein Manuel Neuer sich als heterosexueller Mann mit dem bekanntesten Symbol der queeren Community zeige, sei dies „keine billige Aneignung fremder Symbole, sondern Ausdruck echter Solidarität und ein Bekenntnis zu einer pluralen Gesellschaft“.