Havliza: Verbrechensopfer sollten Hilfe in Anspruch nehmen

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Havliza: Verbrechensopfer sollten Hilfe in Anspruch nehmen
Oldenburg (epd).

Die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) hat Verbrechensopfer aufgefordert, die eigene Scham zu überwinden und sich an die Stiftung Opferhilfe Niedersachsen zu wenden. „Es sind nicht die Opfer, die sich schämen müssen. Es sind die Täter, die sich schämen müssen“ sagte die Ministerin am Montag in Oldenburg bei der Vorstellung des Jahresberichts der Stiftung mit Sitz in Oldenburg.

Im vergangenen Jahr habe die Stiftung in ihren landesweit elf Büros insgesamt 2.282 Betroffene betreut, ergänzte Geschäftsführer Hanspeter Teetzmann. Das seien Corona-bedingt etwas weniger als im Vorjahr. Dafür seien die Fallzahlen im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits um 17 Prozent gestiegen.

Vor allem jüngere Frauen (83 Prozent) suchten bei der Opferhilfe Unterstützung, sagte Teetzmann. In gut 40 Prozent aller Fälle gehe es um Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung, dicht gefolgt von Körperverletzungen. Anders sehe es bei den Männern aus. Obwohl auch sie Opfer von Missbrauch oder Gewaltverbrechen werden, nähmen sie aus Scham deutlich seltener Hilfe an. „Männer melden sich nicht.“

Auch Senioren, die etwa auf Enkeltricks oder falsche Polizisten hereingefallen sind, meldeten sich nur selten, sagte Ministerin Havliza, die dem Kuratorium der Stiftung vorsitzt. Hier gebe es eine große Diskrepanz zwischen den bekannten Fällen und der Zahl der Hilfesuchenden. Dabei gebe es keinen Grund, sich zu genieren. Die Methoden und Tricks der Verbrecher seien einfach zu perfide. „Wir müssen Wege finden, diese Menschen aus ihrer Schamzone herauszuholen.“

Bisher verfügt die Stiftung über Büros in Aurich, Braunschweig, Bückeburg, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, Stade, Verden und Oldenburg. Ab September solle ein weiteres in Lingen hinzukommen, um das Emsland besser zu versorgen, kündigte Teetzmann an.

Die niedersächsische Stiftung Opferhilfe ist in ihrer Art bundesweit einmalig, weil dort ausschließlich hauptamtliche Mitarbeitende tätig sind. Die besonders geschulten Sozialpädagoginnen und -pädagogen beraten Opfer auf Wunsch auch anonym bereits vor einer Anzeige. Sie begleiteten die Betroffenen bei Behördengängen und mit psychosozialer Unterstützung auch vor Gericht.