Zustand der hessischen Wälder weiter ernst
Wiesbaden (epd).

Der Zustand der hessischen Wälder hat sich infolge der Trockenheit weiter verschlechtert. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) stellte am 11. November in einem Waldstück nahe Bärstadt im Taunus den Waldzustandsbericht 2022 vor. Danach sind jetzt neun Prozent der Bäume stark geschädigt im Vergleich zu acht Prozent im Vorjahr. Seit 2019 seien große Schäden durch Trockenheit, Käfer und Pilzbefall entstanden. Diese Tendenz setzte sich nach den Worten der Ministerin auch in diesem Jahr fort.

„Die Klimakrise verändert den Wald, wie wir ihn kennen, in unfassbar schnellem Tempo“, beklagte Hinz und fügte hinzu: „Wir müssen den Klimawandel eindämmen, um den Zustand der Wälder zu stabilisieren.“ Zugleich gelte es, jetzt den Wald von morgen aufzubauen. Im Doppelhaushalt 2023/2024 des Landes Hessen seien daher 155 Millionen Euro für die Wiederbewaldung und den Waldumbau vorgesehen. „Wir wollen den Wald, der so viele wichtige Funktionen für Mensch und Natur erfüllt, auch für kommende Generationen bewahren“, sagte die Ministerin.

Die starken Schäden an neun Prozent aller Bäume im hessischen Wald liegt fast dreimal über dem langjährigen Mittelwert von 3,1 Prozent. In den Monaten Juli und August wurde der Zustand des Waldes in Hessen von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt nach bundeseinheitlichen Kriterien erfasst. Dem Bericht liegen die Daten von rund 4.000 Bäumen zugrunde.

Mit einer mittleren Temperatur von 10,3 Grad war das Vegetationsjahr 2021/2022 eines der wärmsten seit Messbeginn. Mit 622 Millimeter fielen nur knapp 80 Prozent des langjährigen Niederschlagsolls. Der Sommer 2022 war der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Infolgedessen trockneten die Waldböden in Hessen stark aus, was sich negativ auf die Wasserversorgung der Bäume auswirkte, wie es hieß. Hinzu komme, dass die Wälder in Hessen bereits durch Extremwetterereignisse der vorangegangenen Jahre stark geschädigt seien.

Die jährliche Absterberate aller Bäume jeglichen Alters stieg nach dem Bericht in Hessen auf 0,9 Prozent an und liegt damit doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel von 0,4 Prozent. Die mittlere Kronenverlichtung die den sicht- und messbaren Nadel- oder Blattverlust der Baumkrone beschreibt, stieg ebenfalls über alle Baumarten und Altersgruppen hinweg von 26 auf 28 Prozent. Die Buche ist mit einem Anteil von über 30 Prozent die wichtigste Baumart in Hessens Wäldern und beeinflusst daher das Gesamtergebnis zum Waldzustand deutlich. Bei den älteren Buchen stieg die mittlere Kronenverlichtung leicht von 33 auf 34 Prozent. Bei den jüngeren Bäumen aller Baumarten nahm sie im Vergleich zum Vorjahr von 14 auf 17 Prozent zu.

Ab 2023 werden nach den Worten von Hinz Maßnahmen zur Steigerung des Wasserrückhalts im Wald umgesetzt. Auch der Aufbau klimastabiler Wälder werde weiter unterstützt. Mit einem Modellbetrieb im Forstamt Burgwald werde untersucht, welche Maßnahmen eine besondere Klimaschutzwirkung in Wäldern entfalten.

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