Wissenschaftsrat empfiehlt neues Hochsicherheitslabor

Marburg (epd)

Der Wissenschaftsrat hat den Bau eines neuen Hochsicherheitslabors in Marburg empfohlen. Das Gebäude solle in direkter Nachbarschaft zum derzeitigen Labor der höchsten Sicherheitsstufe entstehen, wo an hochgradig krankheitserregenden Viren geforscht wird, teilte die Universität Marburg am 23. April mit. Baubeginn sei für Ende 2023 geplant, 2026 könnte das Labor in Betrieb gehen. Die endgültige Entscheidung falle in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz in diesem Juli. Die Empfehlung des Wissenschaftsrats gelte als wegweisendes Zeichen für den Bau.

Das neue Labor der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (englisch: Biosafety Level 4, BSL 4) werde den Forschungsarbeiten in Marburg "einen deutlichen Impuls verleihen", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität, Stephan Becker. "Die bessere Geräteausstattung und das verbesserte Raumangebot schaffen hervorragende Rahmenbedingungen für unsere Forschung zur Bekämpfung neu auftretender Viren."

Die Gesamtkosten für das neue Forschungslabor werden laut Universität auf etwa 44 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten seien etwa sechs Millionen Euro für Erstausstattung und Großgeräte. Hochpathogene Viren dürfen nach Angaben der Universität nur in diesen BSL-4-Laboren untersucht werden. Das Labor stehe permanent unter Unterdruck und verfüge über ein spezielles Abwasser- und Lüftungssystem, damit keine Gefahr für die Umwelt entsteht.

Die Marburger Wissenschaftler um den Virologen Becker forschen aktuell auch am Coronavirus und sind an der Entwicklung eines Impfstoffs beteiligt. In Marburg produziert außerdem das Mainzer Unternehmen Biontech seinen Impfstoff gegen Covid-19.

In Deutschland gibt es vier BSL-4-Labore: am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin, an der Universität Marburg, am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg und am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems. Wegen der aufwendigen Schutzmaßnahmen bestehen weltweit nur rund 40 dieser Labore. Nach der Fertigstellung des Neubaus in Marburg solle das derzeit bestehende BSL-4-Labor nach langjährigem Betrieb generalüberholt und weiter für die Forschung genutzt werden, erklärte die Universität.

Pressemitteilung: http://u.epd.de/1u60