"Wiesen sind unsere Apotheken"

Drei Fragen an die Kräuterfrau Ruth Pfennighaus
Marburg (epd)

Ruth Pfennighaus ist Kräuterfrau, Autorin mehrerer Bücher ("Wir sind für den Garten geboren"), und sie veröffentlicht auf einem Youtube-Kanal Videos zur Kräuterkunde. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Theologen, leitet sie das Gesundheitshaus in Marburg-Wehrda, wo das Ehepaar Seminare und Schulungen gibt. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach mit Ruth Pfennighaus über heilsame Kräuter, die tägliche meditative Runde durch den Garten und was uns Sebastian Kneipp heute raten würde.

epd: Der Frühling hat begonnen, überall grünt und blüht es. Wachsen denn jetzt auch schon Kräuter, die gesund machen?

Ruth Pfennighaus: O ja! Der Giersch ist schon fünf Zentimeter hoch, er hilft gegen Gicht. Der Löwenzahn wächst, ein wichtiger Bitterstoff zur Darmsanierung. Vogelmiere hat Vitamin C ohne Ende, Spitzwegerich ist ein starker Immunstärker. Gänseblümchen machen uns innerlich sauber, sie helfen beispielweise bei Hautproblemen. Ich ermutige die Leute, sich eine wilde Wiese zu suchen oder eine Ecke in ihrem Garten. Die geht man jeden Tag ab und holt sich seine Handvoll Kräuter für den Tag. Wiesen sind unsere Apotheken.

epd: Wie kann man die Kräuter verwenden?

Ruth Pfennighaus: Man kann sie zu Smoothies verarbeiten, eine Wildkräutersuppe kochen, sie mit Joghurt mischen oder als Sojade zubereiten, würzen, mit Senf verrühren und zu Pellkartoffeln essen. Brennnessel gebe ich in eine Karaffe mit Wasser und tue Zitronensaft und Gänseblümchen dazu. Das schmeckt nach einer Stunde schon wunderbar. Man kann Kräuter einfach über den Salat streuen. Es braucht keine Massen. Eine Handvoll reicht. Kräuter sind Ur-Nahrung. Früher haben die Menschen davon gelebt.

epd: Heute suchen viele Menschen in Kräutern ein Heilmittel gegen Krankheiten. Aber Sie sagen: Es reicht nicht, einfach ein paar Kräuter zu essen, sondern es geht um eine Änderung des Lebensstils. Was meinen Sie damit?

Ruth Pfennighaus: Wir essen viel zu viel, aber uns fehlen die wichtigen Stoffe. Jetzt im Frühling ist unser Mineralstoffhaushalt am Ende. Mit den Wildpflanzen können wir den Tank wieder auffüllen. Aber Kräuter können noch mehr: Sie helfen uns, wieder in eine Beziehung zur Natur, ins Gleichgewicht, in die Dankbarkeit zu kommen. Sie helfen Körper, Seele und Geist. Wir haben jetzt die Corona-Pandemie, aber unsere Pandemien heißen auch Krebs, Übergewicht und Herzkreislauf-Erkrankungen. Die Leute fragen, welche Kräuter gegen Krankheiten helfen, aber Prävention ist wichtig. Ich gehe zum Beispiel jeden Tag meine Runde im Garten, bedanke mich bei Gott und sammele meine Kräuter: Das ist meine meditative grüne Runde. Sebastian Kneipp, der vor 200 Jahren geboren wurde, hätte uns mit an die Lahn genommen, uns eine kalte Dusche verpasst und anschließend mit uns eine zweistündige Wanderung unternommen. Kräuter sind nur ein Aspekt.

https://www.ge-haus.de/

Ruth Pfennighaus auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=xGFz5pAELYw

epd-Gespräch: Stefanie Walter