Weiter Proteste gegen Waldrodung - Banner am Landtag entrollt

Gießen, Homberg (Ohm), Wiesbaden (epd)

Die Rodungsarbeiten für die umstrittene Autobahn 49 zwischen Kassel und Gießen sind auch am 6. Oktober weitergegangen. Es habe keine großen Auseinandersetzungen gegeben, der Tag sei bis zum späten Nachmittag "durchaus friedlich" verlaufen, sagte ein Polizeisprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Im Maulbacher Wald habe die Polizei einige Aktivisten von den Bäumen gebracht. Eine Mahnwache sei schnell aufgelöst worden. Wie am Vortag hätten rund 50 Protestler den Kreisverkehr in Homberg (Ohm) besetzt. Auf der A 5 seilten sich laut Polizei drei Aktivisten von einer Autobahnbrücke ab, die A 5 musste daraufhin voll gesperrt werden. Ein Spezialteam der Polizei holte sie von der Brücke.

Am Morgen seilten sich Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood vom Hessischen Landtag in Wiesbaden ab und entrollten über dem Eingangsportal ein Banner mit der Aufschrift "Ausbau der A 49 sofort stoppen! Wald statt Asphalt!" Sie forderten die Landesregierung auf, zur Deeskalation beizutragen und den Polizeieinsatz gegen die Waldbesetzung sowie die Rodungsarbeiten zu stoppen, wie die Organisation mitteilte. In Zeiten von Klimakrise und Artensterben sei "eine sozial-ökologische Mobilitätspolitik erforderlich und kein Neubau von Autobahnen wie der A 49".

Der Einsatz von kirchlichen Helfern, die in dem Konflikt eine Mittlerrolle übernehmen sollen, gestaltet sich unterdessen schwierig. Die Polizei schließe das Gebiet hermetisch ab, sagte der Referent für Bildung und Ökumene im Evangelischen Dekanat Vogelsberg, Ralf Müller, dem epd. Die Ehrenamtlichen wollten eine "Beobachtungs-Funktion" einnehmen und einen "neutralen Blick" auf den Konflikt haben.

Die Kirche zeige aber weiterhin Präsenz, um angefragt werden zu können. Außerdem stehen laut Müller Ruheräume für die Aktivisten in Dannenrod und für die Polizei in Kirtorf zur Verfügung. Die Waldbesetzer hätten zurückgemeldet, dass sie froh über die Möglichkeit seien, aus dem Regen herauszukommen, berichtete der Referent. Die Kirche habe zudem bereits zwei Friedensandachten angeboten, die gut besucht waren. Am 6. Oktober sei eine Andacht am Sportplatz in Dannenrod geplant, die auf Nachfrage der Aktivisten hin stattfinde. Dort stehe auch ein seelsorgerisches Angebot bereit.

Die Protestbewegung gegen die A 49 hat für 10. Oktober eine weitere Fahrrad-Demo auf der A 49 angekündigt. Man habe die erneute Sperrung der Autobahn zwischen Gudensberg und Borken bereits beim Regierungspräsidium Kassel beantragt, hieß es.

Der Ausbau der A 49 ist bereits seit Jahrzehnten umstritten, im Juni wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine Klage gegen den Weiterbau der Autobahn ab. Die Aktivisten wollen nach eigenen Angaben einen gesunden Mischwald mit teilweise 300 Jahre alten Bäumen vor der Abholzung schützen und fordern eine Verkehrswende.