Feldhamster sind vom Aussterben bedroht. Auf einer Schutzstation in der Nähe von Gießen wird versucht, die Art zu retten. Dieses Jahr kamen 48 Jungtiere zur Welt.

Langgöns (epd). Die Feldhamster-Dame „Jane Bond“ läuft so schnell in ihrem Laufrad, dass es sich dreht wie ein Karussell. Ihren Namen verdankt Jane einer Nummer: LG 007. Jane ist der siebte Feldhamster, der in Langgöns bei Gießen gefangen wurde. Jetzt lebt sie vorübergehend in einer Feldhamster-Artenschutzstation. Sie soll Nachwuchs bekommen, um die Art zu retten.

Valentina Baumtrog lässt einen jungen Feldhamster in eine blaue Zipfelmütze, Fangsocke genannt, hineingleiten. „Das ist ein Weibchen“, stellt die Projektmitarbeiterin der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) fest. Das Hamstermädchen wird gewogen - 176 Gramm - und kommt in einen Einzelkäfig. Feldhamster sind extreme Einzelgänger. Nach drei Wochen werden sie von der Mutter, nach sechs Wochen von ihren Geschwistern getrennt.

Weltweit sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Im Landkreis Gießen trennte der Bau einer Autobahn zwei ursprüngliche Vorkommen in Langgöns und im nahe gelegenen Pohlheim. Die Genetik der Populationen verarmte. „Wir wollen die Populationen miteinander kreuzen“, erklärt Baumtrog.

Die Projektmitarbeiter fingen im Frühjahr 2021 je sechs Hamster in Langgöns und in Pohlheim. Die Weibchen waren viel zu leicht und mussten erst einmal mit Sonnenblumenkernen aufgepäppelt werden. Dieses Jahr stellte sich der erhoffte Nachwuchs ein: 48 Jungtiere. Jane bekam neun Junge. „Zuchtziel erreicht“, konstatiert Valentina Baumtrog.

In seinem neuen Domizil lugt der junge Feldhamster vorsichtig unter einem umgedrehten Blumentopf hervor. Mit seinen kreisrunden Ohren und den weißen Backen sieht er niedlich aus. Früher galten die vermehrungsfreudigen Feldhamster als üble Schädlinge, die den Bauern das Getreide wegfraßen. Inzwischen seien die Landwirte sogar stolz, wenn sich auf ihren Feldern Feldhamster finden, berichtet die Biologin.

Die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz der HGON betreibt die Schutzstation in einem ehemaligen Schweinestall. Feldhamster stehen in Deutschland auf der Roten Liste. Die Bestände gehen seit Jahren dramatisch zurück, in einigen Bundesländern sind sie bereits ausgestorben. Den Tieren macht die intensive Landwirtschaft zu schaffen: Monokulturen, schnelle und effiziente Erntemaschinen, frühere Ernten. Immer mehr Flächen gehen zudem durch Straßenbau, Gewerbe- und Wohngebiete verloren.

Ackerflächen müssten kleinteiliger sein, fordert die Biologin. Der Feldhamster bewegt sich in einem kleinen Radius um seinen Bau und „findet auf seinem Feld dann nur Getreide“. Er braucht jedoch eine Mischkost. In den Käfigen in der Schutzstation stehen Schälchen mit Apfel, Lauch, Erbsen. Außerdem bekommen die Nager laut dem „Sommerfutterplan“ an der Wand einen „Körnermix“.

Während die erwachsenen Tiere sofort wieder ausgewildert werden, überwintert der Nachwuchs einmal in der Schutzstation. Von Oktober bis April oder Mai machen sie Winterschlaf. Danach dürfen auch sie in die Freiheit. Zur Station gehört eine Auswilderungsfläche mit Blühstreifen, Getreide- und Luzernefeld. Die Artenschützer nennen es „Hamsterhotel“.

www.feldhamster.de/projektregion-hessen

Von Stefanie Walter (epd)