Nabu fordert klimaverträgliche Waldwirtschaft

Wetzlar (epd)

Der Naturschutzbund (Nabu) fordert eine zukunftsfähigere Bewirtschaftung der Wälder. Nach 16 Monaten Trockenheit seien überall sterbende Fichten- und Kiefern zu sehen, sagte der hessische Landesvorsitzende Gerhard Eppler am 1. August in Wetzlar. Im Vordergrund stehen dürfe künftig nicht mehr die Holzproduktion, sondern der Erhalt der Wälder. Statt radikaler Holzeinschläge müsse das feuchte Waldklima in einem "Dauerwald" erhalten bleiben. Ein weitgehend geschlossenes Kronendach sei der beste Schutz gegen Austrocknung.

Als Sofortmaßnahme solle das Land Hessen die Holzeinschläge auf 30 Prozent des Holzvorrates in der Planungsperiode von zehn Jahren deckeln, forderte Eppler. Dies habe die Forstverwaltung in Baden-Württemberg bereits 2013 angeordnet. So würde die Holzernte über mehrere Jahrzehnte gestreckt, und ein "vielstufiger Wald" mit Bäumen verschiedenen Alters könnte heranwachsen. Die Richtlinie zur Bewirtschaftung des Hessischen Staatswaldes sehe sogar Dauerwälder vor, das Ziel werde aber aus ökonomischem Interesse selten verfolgt.

Dagegen würden in Hessen innerhalb von zehn Jahren oft 50 bis 60 Prozent eines Waldgebiets eingeschlagen. Erntereife Laubwälder im Alter von 130 Jahren würden so innerhalb von nur 20 Jahren gefällt. Übrigblieben nur ein paar ältere Bäume über einer gleichaltrigen Naturverjüngung. Das feuchte Waldklima werde somit schlagartig zerstört. Die nun frei stehenden Buchen seien Sonne und Wind stark ausgesetzt und könnten nicht lange überleben.

Skeptisch äußerte sich Eppler zu Aufforstungsprogrammen. Teure Pflanzungen könnten bereits im nächsten trockenen Sommer wieder absterben. Auch unterdrückten Pflanzungen das Aufwachsen natürlicher, an das Klima angepasster Vegetation. Öffentliche Förderung solle es nur für den Aufbau stabiler Laub-Mischwälder geben, forderte Eppler. Die Förderung solle zu einer größeren Vielfalt von Baumarten führen. Empfänger sollten verpflichtet werden, eine natürliche Waldentwicklung zuzulassen.