Lahn-Dill-Kreis will Erdwärme aus alten Bergwerken nutzen
Wetzlar (epd).

Im Lahn-Dill-Kreis gibt es Überlegungen, Erdwärme aus alten Bergwerken für die Energiegewinnung zu nutzen. Der Landkreis wolle eine Potenzialabschätzung machen, ob passende alte Gruben vorhanden sind, sagte der Klimaschutz-Manager Ingo Dorsten dem Evangelischen Pressedienst (epd). Außerdem werde gemeinsam mit einer Bürgerinitiative, die ein Nahwärmenetz aufbaut, das Potenzial eines alten Erzbergwerks im nördlichen Kreisgebiet untersucht.

In etlichen Regionen im Lahn-Dill-Kreis wurde bis in die 1960er Jahre und in der „Grube Fortuna“ sogar bis in die 1980er Jahre unter anderem Eisenerz abgebaut, zum Beispiel um Haiger, Dillenburg, Solms oder Wetzlar. Nach Aufgabe des Bergbaus liefen die Gruben wieder mit Wasser voll, wie Dorsten erläuterte. Je tiefer der Schacht, umso stärker erwärme sich aufgrund der Erdwärme das Wasser.

In den 200 bis 300 Meter tiefen Schächten im Lahn-Dill-Kreis habe das Wasser eine konstante Temperatur von etwa 10 bis 13 Grad Celsius. Man könne die Wärme nutzen, um eine Wärmepumpe zu betreiben. Denkbar sei auch, das Grubenwasser mit Solarthermie zu koppeln und zu erwärmen, so dass das alte Bergwerk quasi „selbst als Wärmespeicher“ diene. Ein solches Projekt werde im Ruhrgebiet auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum ausprobiert. Im Lahn-Dill-Kreis nutze das Besucherbergwerk Grube Fortuna in Solms das 13 Grad warme Stollenwasser für die Beheizung seiner Grubengebäude.

Die Investitionskosten solcher Projekte seien zwar hoch, aber es existierten zahlreiche Förderprogramme. Dennoch gebe es bei der Geothermie Einschränkungen, betonte Dorsten. So müsse man zum Beispiel klären, wo genau das Wasser, das man nutzen wolle, herkomme, und ob es für eine jahrzehntelange Energiegewinnung überhaupt reiche. „Besitzverhältnisse müssen geklärt werden“, sagte der studierte Energietechniker. Auch könnten sich die Mikroorganismen im Wasser durch Erwärmung oder Abkühlung verändern.

„Wir wollen einen Anstoß geben, vielleicht springen andere mit auf“, sagte Dorsten. Ein Symposium, das der Kreis kürzlich organisierte, habe zum Ergebnis gehabt: „Es gibt keinen Grund, warum man Geothermie aus alten Bergwerken nicht nutzen könnte.“ Für Hessen sei das Thema neu, im Ruhrgebiet oder im Erzgebirge werde Geothermie aus alten Bergwerken schon genutzt. In Hessen gebe es Potenzial etwa im Rheingau, im Westerwald mit dem ehemaligen Braunkohleabbau oder in Nordhessen, wo Kupfer und ebenfalls Braunkohle abgebaut wurde.

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epd-Gespräch: Stefanie Walter