Kirchen prangern Raubbau an der Natur an

Landau, Frankfurt a.M. (epd)

Die christlichen Kirchen haben am 4. September im pfälzischen Landau den Raubbau an der Natur angeprangert. "Wir müssen unseren Lebensstil und unsere Entscheidungen, die oft rücksichtslos und schädlich sind, überdenken. Zu oft verhalten wir uns als Herrscher über die Schöpfung", sagte der katholische französische Bischof Marc Stenger bei der zentralen Feier zum ökumenischen Tag der Schöpfung in der Landauer Stadtpfarrkirche St. Maria. Die Folge seien die Zerstörung des Ökosystems, dessen Auswirkungen hauptsächlich die Ärmsten und die Verletzlichsten träfen. Die Schöpfung müsse als "kostbares Geschenk" bewahrt werden, forderte der Bischof von Troyes.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, sagte: Eine Wirtschaft, die nur auf Wachstum und Gewinnmaximierung ausgerichtet sei, könnten Christinnen und Christen nicht mehr guten Gewissens hinnehmen. Deswegen müssten sie - nicht nur am Tag der Schöpfung - den wahren Wert der Dinge ins Gedächtnis rufen. "Der lebensverheißende Ruf Gottes gilt allen - auch denen, die in Not sind, die wenig im Leben haben, die gebrochen sind. Menschen, Tiere, die ganze Natur: Das alles ist uns anvertraut", sagte Erzpriester Miron.

Grußworte im Anschluss an den Gottesdienst sprachen unter anderen der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad, Generalvikar Andreas Sturm vom Bistum Speyer sowie der Vorsitzende der ACK Region Südwest, Pastor Jochen Wagner.

Schad erinnerte daran, dass die Klimakrise auch in der Pfalz mit Händen zu greifen sei und die Dürre der vergangenen Monate den Weinbauern schwer zu schaffen gemacht habe. Bei der Bekämpfung des Klimawandels helfe nur konsequentes, verantwortliches Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie von jedem Einzelnen, sagte er. Generalvikar Sturm forderte einen "spirituellen und kulturellen Wandel mit einer Abkehr vom materiellen Wachstums- und Wohlstandsmodell". Glaube und Klima müssten zusammengedacht, Spiritualität und Ökologie mehr miteinander verbunden werden.

Pastor Wagner hob hervor, dass alle 15 in der ACK Region Südwest vertretenen Kirchen beim Thema "Schöpfung" an einem Strang zögen und sich für einen achtsamen Umgang mit der Natur einsetzten. Dafür stehe die ökumenische Mitmachaktion "Trendsetter-Weltretter", die helfen solle, den Alltag ökologisch nachhaltig zu gestalten. Zum ökumenischen Tag der Schöpfung hatte die ACK zusammen mit der ACK Region Südwest und der ACK in Landau eingeladen. Der Tag stand unter dem Motto "(w)einklang" und nahm Bezug auf den die Region prägenden Weinbau. Dazu hatten sich unter Einhaltung der Hygienevorschriften 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet.

Die 1948 gegründete ACK mit Sitz in Frankfurt am Main feiert seit 2010 jährlich einen bundesweiten ökumenischen Tag der Schöpfung. Der Aktionstag wird in Gemeinden zwischen dem 1. September und 4. Oktober begangen. Die ACK repräsentiert etwa 50 Millionen Christinnen und Christen in Deutschland, ihr gehören 17 Kirchen an, weitere acht Kirchen sind Gastmitglieder, fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Schwerpunkte der Arbeit sind die theologische Reflexion, das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sowie das gemeinsame Gebet und der Kontakt zu anderen ökumenischen Organisationen.

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