Die Spinne in der Bambusröhre

Frankfurter Senckenberg-Forscher entdeckt neue Art
Frankfurt a.M. (epd)

Der Spinnenforscher Peter Jäger vom Frankfurter Senckenberg-Institut hat eine neue Spinnenart entdeckt, die im Inneren von großen Bambusgewächsen lebt und deshalb bislang unbekannt war. Wie das Institut am 26. Februar mitteilte, sind bislang zwei Fundorte der Riesenkrabbenspinne bekannt: im Norden Thailands und in der Nähe von Kuala Lumpur in Malaysia. Die Studie über diese und drei weitere von dem Forscher erstmals beschriebe Arten aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen erscheine am heutigen Dienstag im Fachjournal Zootaxa.

"Die Fundpunkte liegen etwa 1800 Kilometer auseinander", ergänzt der Frankfurter Spinnenforscher in der Mitteilung. Es sei daher anzunehmen, dass die Spinnenart noch weitere Gebiete mit Bambus bewohnt, aber dort bisher einfach übersehen wurde. "Die ungewöhnliche Lebensweise der Spinne - im Inneren von Bambushalmen - hat wohl bisher verhindert, dass wir die Art entdecken konnten", fügt Jäger hinzu. "In der Regel sägen wir Spinnenforscher keine Bambusstängel auf."

Die eigentliche Überraschung liegt für Jäger aber in der Spezialisierung der handtellergroßen Spinne auf die hohlen Bambushalme. Um in ihr Versteck zu gelangen, sind die Spinnen auf die Unterstützung ihrer tierischen Nachbarn angewiesen: Der Bambus-Specht hilft durch seine Bohrtätigkeit ebenso wie aus dem Bambusinneren schlüpfende Käfer. Diese ernähren sich als Larven vom schwer verdaulichen Pflanzenmaterial, verpuppen sich und beißen sich als erwachsene Käfer den Weg in die Freiheit. "Ein Glück für die Spinnen, die anschließend das schützende Innere besiedeln können, welches sie nur nachts zur Jagd verlassen", erklärt Jäger den Zusammenhang.

Die neue Spinnenart ist nun unter dem Namen "Rhitymna gerdmangel" bekannt. Jäger ehrt damit Senckenberg-Bauleiter Gerd Mangel, unter dessen Leitung die ehemaligen Gebäude der Goethe-Universität am Campus Bockenheim zu Forschungsgebäuden der Senckenberg-Gesellschaft umgebaut wurden.

Jäger, P. (2019) Review of the huntsman spider genus Rhitymna Simon, 1897 (Araneae: Sparassidae). Zootaxa 4560 (3), 441-462.

Internet: www.senckenberg.de