Seit Jahren verändert sich die Armutsquote in Deutschland kaum. Zuletzt ging der Trend laut dem Paritätischen Gesamtverband wieder nach oben.
Berlin, Mainz, Wiesbaden (epd). In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Im vergangenen Jahr seien 13,34 Millionen Menschen von Armut gefährdet gewesen, erklärte der Verband am 2. Juni unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Damit waren demnach 16,1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Seit einem Tiefstand im Jahr 2023 sei die Zahl der Armen um gut 1,2 Millionen gestiegen.
„Das soziodemografische Profil von Armut hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert“, heißt es im neuen Armutsbericht des Paritätischen. „Nach wie vor sind Alleinerziehende sowie alleinlebende Personen die am stärksten von Armut betroffenen Haushaltsgruppen.“ Überdurchschnittlich hoch sei die Armut auch in den Altersgruppen zwischen 18 und 25 sowie ab 65 Jahren.
Rheinland-Pfalz unter dem Bundesdurchschnitt, Hessen darüber
2020 waren dem Bericht zufolge etwa 13,2 Millionen Menschen in Deutschland armutsgefährdet. Die Zahl sank dann bis 2023 auf rund 12,1 Millionen. Danach ging sie wieder nach oben. Wegen veränderter Erhebungsmethoden sind Daten aus der Zeit vor 2020 mit den späteren Berechnungen nur eingeschränkt vergleichbar.
Die Armutsgefährdungsquote in Rheinland-Pfalz (15,9 Prozent) und dem Saarland (15,5 Prozent) lag im vergangenen Jahr leicht unter dem Bundesdurchschnitt. In einer Liste des Paritätischen ausgewählter Städte und Regionen stand allerdings Trier mit 21,4 Prozent ganz oben. In Hessen lag die Quote mit 17,3 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Unter den ausgewählten Städten stand Kassel mit 19,2 Prozent weit oben.
Kritik an Kürzungsdebatten
Der Paritätische forderte als Konsequenz aus der Entwicklung eine Ausweitung sozialpolitischer Leistungen. Die Regierung müsse eine Politik machen, „die Armut bekämpft statt verwaltet“, erklärte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock. Ständig neue Kürzungen zu diskutieren, schüre hingegen Angst und Unsicherheit und spiele „Populisten und Extremisten in die Hände“.
Als armutsgefährdet gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Zum Einkommen gehören dabei unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen.
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