Migranten fragen Sozialberatung wegen Pandemie stark an

Frankfurt a.M. (epd)

Die Corona-Pandemie hat zu einem starken Zulauf bei der Sozialberatung für Migranten und Flüchtlinge in Frankfurt am Main geführt. Zu Beginn des Lockdowns vor einem Jahr sei die Zahl der Klienten um rund ein Drittel gestiegen, sagte die Leiterin der Sozialberatung im Evangelischen Zentrum Am Weißen Stein, Farah Haidari, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele Migranten und Flüchtlinge seien in Kurzarbeit geschickt worden oder ihnen sei gekündigt worden, etwa von Restaurants und Hotels. Gleichzeitig hätten damals alle Ämter und Jobcenter den Kundenverkehr geschlossen. "Viele Klienten hätten es ohne Beratungshilfe nicht geschafft, die umfangreichen Anträge auf Arbeitslosengeld auszufüllen", sagte Haidari. Das Evangelische Zentrum sei zeitweilig als einzige Migrantenberatung für eingeschränkten Publikumsverkehr geöffnet gewesen.

Haidari, die nach fast 20 Jahren als Leiterin und nach fast 30 Jahren als Sozialarbeiterin am 23. April in Ruhestand gegangen ist, schilderte ein Beispiel: Das Jobcenter habe bei einer Eritreerin, die als Putzfrau arbeitete, ohne Nachfrage ein monatliches Einkommen von 1.100 Euro in der Akte verzeichnet, obwohl sie tatsächlich nur zwischen 800 und 900 Euro verdiente. Auf Nachfrage der Sozialberatung habe das Jobcenter angegeben, der höhere Betrag sei ein Durchschnittseinkommen in dem Beruf. Erst als die Sozialberaterin auf das tatsächliche geringere Einkommen hinwies, habe das Jobcenter den Betrag korrigiert und den staatlichen Zuschlag auf die korrekte Höhe angehoben. Viele Migranten, die in ihrer Heimat anerkannte Berufe wie Lehrerin oder Geschäftsmann gehabt hätten, könnten diese in Deutschland nicht ausüben, ergänzte die Beraterin.

Aber auch in anderen Fällen hilft die Sozialberatung, wie Haidari berichtete. Bei einem iranischen Paar habe sich die Frau scheiden lassen, woraufhin der getrennt lebende Mann mit Gerichtsklagen ihr das Leben schwergemacht habe. Mit Unterstützung der Beratung habe die Frau schließlich durch mehrere Instanzen das Sorgerecht für die Kinder und ihre Aufenthaltsberechtigung erkämpft.

Die Aufgaben hätten sich durch die Jahrzehnte wenig verändert, resümierte die Sozialarbeiterin. Die Klienten kämen wegen Fragen zu ihrem Aufenthaltsrecht, Sozialrecht, Integrationsmaßnahmen und Gesundheit. Geändert habe sich aber die Gesetzgebung. "Immer wenn es eine Krise in der Welt gab, kamen Flüchtlinge nach Deutschland, und dann wiederum wurde das Asyl- und Ausländerrecht verschärft." Die Arbeit der Berater sei komplexer geworden, doch sie lohne sich, fasste Haidari zusammen: "Sozialberatung ist wie ein Türöffner für die Klienten."

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epd-Gespräch: Jens Bayer-Gimm