Jugendämter prüfen häufiger Fälle von möglicher Kindeswohlgefährdung

Mainz (epd).

Die rheinland-pfälzischen Jugendämter sind im vergangenen Jahr mehr als 8.700 Verdachtsmeldungen auf Kindeswohlgefährdung nachgegangen. In rund einem Drittel der Fälle habe sich der Verdacht bestätigt, teilte das Mainzer Familienministerium am 13. September mit. Bei einem weiteren Drittel sei zwar das Kindeswohl nicht nicht in Gefahr gewesen, aber dennoch ein Hilfebedarf der Familie festgestellt worden. Familienministerin Katharina Binz (Grüne) erklärte, trotz Coronavirus-Pandemie habe das bestehende Frühwarnsystem funktioniert.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl der Verdachtsmeldungen den Angaben zufolge um mehr als fünf Prozent zu. Damit setzte sich ein seit Jahren zu beobachtender Trend fort, obwohl Schulen und Kindergärten wegen der Corona-Krise über viele Wochen hinweg geschlossen waren. Die rückläufigen Verdachtsmeldungen aus den Einrichtungen seien durch vermehrte Hinweise von Nachbarn, Verwandten oder der Polizei mehr als ausgeglichen worden.

Bereits Ende 2020 war eine vom Land in Auftrag gegeben Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Kinder in prekären Lebenssituationen trotz des Lockdowns nicht verstärkt durch das Raster der Behörden fielen. Auch die Art der Probleme hatte sich im Vergleich zur Zeit vor Ausbruch der Pandemie kaum verändert. In den meisten Fällen mussten die Behörden einschreiten, weil Eltern ihre Kinder beispielsweise aufgrund von Drogenproblemen vernachlässigten. Der Anteil der erkannten Fälle von sexuellem Missbrauch blieb mit rund fünf Prozent stabil.