Hunderte Notübernachtungsplätze für Obdachlose in Hessen

Frankfurt a.M. (epd)

Die großen Städte in Hessen stellen auch in diesem Winter wieder mehrere Hundert Notübernachtungsplätze für Obdachlose bereit. Nach einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) rechnen trotz der Corona-Beschränkungen die Städte Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Kassel damit, dass die Betten reichen und kein Mensch auf der Straße seine Isomatte ausrollen muss. Dagegen berichtet die Wohnungshilfe in Gießen von einer "prekären Notlage". So sei schon seit Beginn der Pandemie eine große Tagesstätte geschlossen, weil die Abstandsregeln dort nicht eingehalten werden können. Dadurch entfalle die Möglichkeit, dass sich Betroffene tagsüber aufwärmen und stärken könnten.

Die Stadt Frankfurt am Main hat trotz der milden Witterung bereits am 1. November die B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor für Obdachlose geöffnet. Dort stünden 150 Notübernachtungsplätze bereit, teilte die Stadt mit. Von 6 bis 10.30 Uhr gebe es Brötchen und heiße Getränke. Um Corona-Ansteckungen entgegenzuwirken, sei der Platz in einer früheren unterirdischen Ladengalerie auf 1.500 Quadratmeter Fläche ausgeweitet worden. Die Schlafplätze seien mindestens 1,50 Meter voneinander entfernt. Vier Luftfilter sowie CO2-Ampeln seien angeschafft worden.

Darüber hinaus stünden in der knapp 760.000-Einwohner-Metropole 275 weitere Betten in Notübernachtungsstätten in Einrichtungen der Caritas, des Diakonischen Werks und des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten zur Verfügung, sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Seit dem 15. Oktober ist auch der Kältebus wieder unterwegs. Er fährt jede Nacht rund 120 Kilometer durch Frankfurts Straßen, bietet Obdachlosen den Transport in eine Unterkunft an oder auch Decken und warme Getränke.

Bestens gewappnet scheint auch die Stadt Darmstadt zu sein. Hier stünden ab diesem Monat maximal 225 Schlafplätze in Notunterkünften zur Verfügung, sagte Pressesprecher Klaus Honold. Falls die Plätze nicht ausreichten sollten, etwa aufgrund einer verschärften Pandemielage, könnten weitere Übernachtungsplätze geschaffen werden. In der Landeshauptstadt Wiesbaden wurde die Winterreglung aufgrund der Corona-Pandemie über den Sommer hinweg fortgeführt, berichtete Aline van den Borg vom Sozialdezernat der Stadt. Obdachlose könnten so niedrigschwellig Hilfe bekommen und in einer Unterkunft kostenlos übernachten. Dort stünden etwa 130 Plätze zur Verfügung.

Auch die Stadt Kassel rechnet damit, dass die von November bis Ende März 25 angebotenen Notschlafplätze reichen. Gegebenenfalls könnten die Träger der Wohnungslosenhilfe in Absprache mit dem Sozialamt auch an bestimmte Hotels weitervermitteln, sagte Pressesprecher Claas Michaelis. Zur Einhaltung der Corona-Regeln würden die Schlafquartiere nur einzeln belegt oder größere Räume etwa in Hotels angemietet. Dort würden die "Hygieneregeln deutlich kommuniziert" und Desinfektionsmittel und Schutzmasken zur Verfügung gestellt.

Der Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks Gießen bereitet nicht nur die Schließung der Tagesaufenthaltsstätte "Brücke" große Sorgen, sondern auch die medizinische Versorgung der Betroffenen durch ein ehrenamtliches Team aus drei Ärzten und einer Krankenschwester. Man habe aktuell 79 Menschen in der Kartei, die medizinisch betreut werden, berichtete die Ärztin Elisabeth Seidlmayer. Sie litten unter Infekten, Schmerzen, Suchtproblemen, Wunden und Hauterkrankungen.

Die Corona-Krise verschärfe ihre gesamte Situation: Ihr psychischer und physischer Zustand verschlechtere sich, sie konsumierten mehr Alkohol, ein "vernünftiges Essen" fehle, seit in der "Brücke" nicht mehr gekocht werde. Die Obdachlosen könnten sich am Eingang lediglich ein Lunchpaket, Tee und Kaffee abholen. "Ihre Lebenssituation bringt eine große Vereinzelung mit sich", sagte Seidlmayer.

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