Entschädigung für knapp 900 ehemalige Heimkinder

Mainz (epd)

Aus dem von Bund, Land und Kirchen finanzierten Fonds für ehemalige Heimkinder haben in den vergangenen Jahren 862 Betroffene aus Rheinland-Pfalz Entschädigungsleistungen erhalten. Insgesamt seien 8,3 Millionen Euro für materielle Hilfen und 3,8 Millionen Euro für Rentenersatzleistungen gezahlt worden, heißt es in dem Abschlussbericht des Mainzer Familienministeriums, der am 16. April von der Landesregierung gebilligt wurde. Auch nach dem Auslaufen des Fonds zum Ende des vergangenen Jahres biete das Landesjugendamt ehemaligen Heimkindern künftig weiter Beratung an, sagte Familienministerin Anne Spiegel (Grüne).

"Ein solcher Fonds kann das erlittene Unrecht nicht wiedergutmachen", sagte sie. Allerdings sei das Leid der Betroffenen anerkannt und gemildert worden. Viele von ihnen hätten erstmals im Leben über ihr Schicksal gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass sie erntgenommen werden. Rheinland-Pfalz habe die Geschichte der Heimerziehung in den ersten Nachkriegsjahrzehnten aufgearbeitet und Konsequenzen aus der Geschichte gezogen. So solle noch im laufenden Jahr auf Landesebene eine Interessensvertretung für junge Menschen entstehen, die in stationären Einrichtungen leben.

Zwischen 1949 und 1975 lebten bundesweit schätzungsweise 700.000 bis 800.000 Kinder in Heimen, bis zu 40.000 von ihnen in Rheinland-Pfalz. Viele der Kinder wurden Opfer erniedrigender Erziehungsmethoden, von Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch. Als Wiedergutmachung für das ihnen zugefügte Leid hatten Bund, Länder und Kirchen zunächst 120 Millionen Euro in den Entschädigungsfonds eingezahlt und die Summe später um weitere 106 Millionen Euro aufgestockt. Das Land Rheinland-Pfalz übernahm davon insgesamt 5,5 Millionen Euro.

Heimkinder, die als Jugendliche unbezahlt arbeiten mussten, konnten ab 2012 eine Einmalzahlung als Ersatz für entgangene Rentenleistungen beantragen. Für traumatisierte Opfer der Heimerziehung war auch eine Erstattung von Therapiekosten vorgesehen.