Diakoniechef: "Corona hat Arbeit massiv beeinträchtigt"

Frankfurt a.M. (epd)

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Diakonie Hessen massiv beeinträchtigt. Unter anderem wegen geschlossener Sozialkaufhäuser und Kleiderläden sowie den Aufwendungen für Hygienemaßnahmen rechne der evangelische Wohlfahrtsverband in diesem Jahr mit einem Verlust von rund 50.000 Euro, sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Tag in Frankfurt am Main dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem forderte der 56-jährige Theologe eine große Pflegereform. Die stationäre, teilstationäre und die Pflege durch Angehörige zu Hause müsse zusammengeführt werden und von der Pflegeversicherung und aus einem Steuerzuschuss finanziert werden.

Sehr viel stärker als die finanziellen Einbußen habe die Pandemie das soziale Miteinander der sozialen und pflegerischen Arbeit beeinflusst, sagte Tag. "Berührungen als Umarmungen, das Trösten und Halten, Zeit für das Zuhören. Alles ist eingeschränkt oder auch unmöglich geworden." Außerdem habe die Pandemie zu einer enormen Arbeitsbelastung bei den Pflegenden in den Heimen geführt. Sie seien durch die zusätzlichen hohen fachlichen Anforderungen an den Infektionsschutz, die wechselnden Inzidenzzahlen, neue rechtliche Rahmenbedingungen und die ständige Sorge um die Pflegebedürftigen einem hohen Druck ausgesetzt.

Schließlich habe im Corona-Jahr 2020 auch die Arbeit mit wohnungslosen Menschen gelitten, fügte Tag hinzu. Aktuell seien Tagesaufenthalte nur unter Berücksichtigung der AHA plus L-Regel geöffnet. Das bedeute, dass nur noch ein Bruchteil der Menschen sich dort aufhalten könne, beziehungsweise der Aufenthalt befristet werde. Problematisch seien auch die Notunterkünfte. Dort dürften nicht mehr mehrere Personen in einem Raum übernachten. Deswegen sollten die Menschen an Jugendherbergen, Hotels oder Pensionen verweisen werden.

Der Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtsverbandes sprach sich darüber hinaus für die Aufnahme vor allem von minderjährigen Flüchtlingen aus, die in Lagern auf den griechischen Inseln untergebracht sind. Dabei solle Deutschland vorangehen. "Das kann Deutschland, das kann Hessen, das kann Rheinland-Pfalz. Wir haben Platz, wir haben die Ressourcen und wir haben die vielen guten Erfahrungen bei der Flüchtlingsaufnahme."

Der in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen) geborene Carsten Tag war im Dezember 2019 zum Nachfolger von Horst Rühl gewählt worden. Der frühere Rodgauer Dekan führt die Diakonie Hessen, die auch in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Thüringen aktiv ist, seit März dieses Jahres.