Bundesagentur will Gesundheitsförderung für Erwerbslose ausbauen

Mainz (epd)

Die Bundesagentur für Arbeit und die gesetzlichen Krankenkassen wollen mehr Langzeitarbeitslose in Kurse zur Gesundheitsförderung vermitteln. Im Gespräch mit den Jobcenter-Kunden würden Sachbearbeiter Gesundheitsthemen so ansprechen, dass sie weder belehrend noch abschreckend wirken, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele, am 27. Februar in Mainz. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts mit den Kassen sollen Erwerbslose gleichermaßen zur Teilnahme an gewöhnlichen, für die Allgemeinheit gedachten Kursen als auch an speziellen Angeboten bewegt werden.

Das 2016 in einigen Modellkommunen gestartete Projekt wurde mittlerweile auf 129 Standorte ausgeweitet. "Wir wollen, dass 2019 und 2020 weitere 104 Orte dazukommen", sagte Gernot Kiefer, Vorstand des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung. Dann wäre etwa die Hälfte der Bundesrepublik von dem Projekt erfasst. Bislang seien rund 11.000 Menschen aus der Gruppe der Arbeitslosen mit den Angeboten erreicht worden. Die Kassen finanzieren die Arbeit aus eigenen Mitteln und wollen künftig acht bis zehn Millionen Euro jährlich dafür aufwenden.

Experten beklagen seit Jahren den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Erkrankungen. Viele Menschen verlieren wegen ihres Gesundheitszustandes die Arbeit, andere werden aufgrund der Arbeitslosigkeit krank. Gesundheitsprobleme seien für viele Jobcenter-Kunden ein heikles Problem, sagte Scheele. In den vergangenen Monaten hätten bundesweit rund 1.200 Jobcenter-Mitarbeiter Schulungen durchlaufen, um bei Terminen mit Arbeitslosen Probleme wie Bewegungsmangel oder Rauchen anzusprechen. Dies dürfe nicht wie eine Belehrung mit erhobenem Zeigefinger wirken.

Grundsätzlich sei die Bundesagentur bei der Gesundheitsförderung gegen "Spezialmaßnahmen" für Erwerbslose und würde es begrüßen, wenn alle Menschen die gleichen Kurse besuchen. In der Praxis seien oft aber spezielle Rahmenbedingungen nötig. Viele Betroffene hätten schon ein Problem mit den üblichen Vorstellungsrunden, weil sie ihre soziale Situation nicht offenlegen möchten, sagte Sandra Helms, die Projektkoordinatorin für Rheinland-Pfalz.

Inhaltlich sind die selben Themen gefragt wie bei den gewöhnlichen Kursen in Volkshochschulen oder Berufsbildungswerken, berichtete die Landrätin Dorothea Schäfer (CDU), deren Landkreis Mainz-Bingen seit einem Jahr an dem Projekt beteiligt ist. Hoch im Kurs stünden Rückentraining und Stressbewältigung sowie Kurse zur gesunden Ernährung sowie zur Einkaufs- und Haushaltsplanung.