Rheinland-pfälzische Kommunen bereiten sich auf Gasdefizit vor

Mainz (epd).

Vor dem Hintergrund stark reduzierter russischer Gaslieferungen und drohender Energie-Engpässe bereiten zahlreiche rheinland-pfälzische Kommunen aktuell Spar- und Notfallpläne vor. Wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab, haben einige Städte und Landkreise bereits konkrete Sparanstrengungen ausgearbeitet.

So plant die Stadt Kaiserslautern für den Rest des Jahres in allen städtischen Sport- und Mehrzweckhallen mit Ausnahme der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Räumlichkeiten das warme Wasser komplett abzuschalten. In städtischen Schulen und Verwaltungsgebäuden soll die Innentemperatur während der Heizperiode von 20 auf 17 Grad abgesenkt werden. Die nächtliche Beleuchtung von Kirchen, Rathaus und anderer öffentlicher Gebäude soll eingestellt werden, ebenso wolle die Stadt 2022 auf Weihnachtsbeleuchtung verzichten.

Der Landkreis Alzey-Worms teilte mit, die regionale Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe habe empfohlen, die Raumtemperatur in den Schulen „auf ein Mindestniveau“ abzusenken. „In den Sporthallen wird zusätzlich überlegt, ob und wo man bei Lüftungsanlagen den Frischluftanteil durch verstärkten Umluftbetrieb reduzieren kann“, hieß es auf Nachfrage. „Hierdurch können 20 bis 30 Prozent des Gasverbrauches gespart werden.“ Im angrenzenden Landkreis Bad Kreuznach soll die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden um rund zwei Grad abgesenkt und die Heizperiode verkürzt werden, „es sei denn, es kommt zu extrem niedrigen Temperaturen.“

Die Stadt Ludwigshafen hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, Heizungen und Belüftungsanlagen in Schulen und Verwaltungsgebäuden auf ein „absolut erforderliches Mindestmaß“ herunterzufahren. In städtischen Sport- und Turnhallen soll das warme Wasser abgestellt werden. Eine komplette Schließung der städtischen Schwimmbäder während der Wintermonate steht im Raum. Außerdem werden städtische Gebäude bis auf Weiteres nicht mehr beleuchtet und Ampelanlagen nachts überall dort abgeschaltet, wo dies vertretbar erscheint.

Allerdings sehen nicht alle Kommunen eine realistische Möglichkeit für Einsparungen: Der Landkreis Birkenfeld teilte mit, als einzige kreiseigene Liegenschaften würden lediglich einige Schulen mit Gas beheizt, die zuletzt umfangreich saniert worden seien. Man sehe „keine vertretbare Möglichkeit“, den Energieverbrauch dort weiter zu reduzieren. Auch im Landkreis Ahrweiler gibt es derzeit keine Pläne, die Beheizung oder Warmwasser-Versorgung in den Schulen einzuschränken.

Anders stellt sich die Lage in Pirmasens dar, wo die Stadt aufgrund fehlender Finanzmittel hohe Defizite in den Bereichen Heizung und Dämmung einräumt. Bei einem Sanierungsstau von rund 500 Millionen Euro für die mehr als 100 städtischen Immobilien seien kurzfristige Energiesparmaßnahmen nicht einfach, teilte die Stadt mit.

Die Stadt Worms kündigte an, Kunden der regionalen Energieversorger müssten sich auf eine weitere massive Erhöhung der Tarife einstellen. „Innerhalb von zwölf Monaten sind die Großhandelspreise für Strom um das Vierfache, die für Gas um das Fünffache gestiegen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Je länger die extrem gestiegenen Beschaffungskosten bestehen blieben, desto mehr werde sich die Situation auch auf die Kunden auswirken.