Mahnmal für Genozid-Opfer in Pohlheim enthüllt

Pohlheim (epd)

Das Mahnmal für die Opfer des Genozids vor über 100 Jahren im Osmanischen Reich ist am 2. November im mittelhessischen Pohlheim enthüllt worden. Eine offizielle Einweihung werde voraussichtlich im kommenden Jahr folgen, sagte ein Sprecher der Stadt Pohlheim am 4. November dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Mahnmal erinnert an die Massaker an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten um 1915.

Das Mahnmal stelle symbolhaft die Geschichte der Verfolgung dar, erklärte der Sprecher. Um das Denkmal hatte es im Vorfeld Diskussionen gegeben. Das Pohlheimer Stadtparlament stimmte Ende 2017 für das Mahnmal. Der türkische Generalkonsul in Frankfurt protestierte gegen die Pläne.

Die Initiative ging von den in Pohlheim lebenden Aramäern aus. Sie waren beim Genozid zwischen 1915 und 1917 im Osmanischen Reich mitbetroffen, wie die kommissarische Leiterin des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, Dagmar Heller, dem epd auf Anfrage sagte. Bis heute habe die Türkei Probleme, das damalige Vorgehen als Völkermord anzuerkennen. "Sie lehnt den Begriff Genozid ab." Das habe nichts mit der Regierung Erdogan zu tun. Bereits alle seine Vorgänger hätten so gehandelt, erklärte Heller.

Im Landkreis Gießen seien mehr als 5.000 aramäische Christen in vier Gemeinden beheimatet, allein drei davon in Pohlheim, teilte der Vorstand des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland dem epd mit. Das Denkmal an öffentlicher Stelle sei bundesweit ein Novum. Bisher gebe es nur die Ökumenische Gedenkstätte für die Opfer des Genozids an Aramäern, Armeniern und Griechen auf dem Evangelischen Luisenfriedhof III in Berlin sowie weitere Denkmäler bei verschiedenen aramäischen Gemeinden. "Schonungslose Aufarbeitung sind Grundvoraussetzung für echte Erinnerung und Versöhnung, dies lehrt uns unsere deutsche Nachkriegsgeschichte," teilte der Bundesverband weiter mit.

Der Deutsche Bundestag verabschiedete 2016 eine Erklärung, wonach der Mord an den rund 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord einzustufen ist. In der vergangenen Woche erkannte auch das US-Repräsentantenhaus offiziell den Völkermord an den Armeniern an.

Deutschland hat sich nach Ansicht der Ostkirchenexpertin Dagmar Heller damals mitschuldig gemacht. Der deutsche Kaiser habe mit dem Osmanischen Reich kooperiert. "Es gab Stimmen, die den Kaiser darauf hinwiesen, was dort geschah." Dies sei von politischer Seite ignoriert worden. Es gelte heute auch die "Auslöschung des Gedächtnisses" zu verhindern, sagte der Professor für Religionsfreiheit und die Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer, dem epd.

Die Vertreibung und Vernichtung von Armeniern, Aramäern, Assyrern und Pontos-Griechen begann am 24. April 1915. Den Massakern und Deportationen fielen bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfer.

Internet: www.pohlheim.de