Hessen verschärft Klimaziel und weitet Naturwaldfläche aus

Wiesbaden (epd)

Die hessische Landesregierung hat zwei wichtige Maßnahmen zum Klimaschutz veranlasst. Zum einen beschloss das Kabinett in Wiesbaden als Ziel, bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um 55 Prozent zu reduzieren. Zum anderen nahm Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am 9. April weitere große Waldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung heraus, so dass jetzt zehn Prozent aller Staatswälder in Hessen ganz der natürlichen Entwicklung überlassen bleiben. Mehrere Umwelt- und Naturschutzverbände begrüßten, dass damit weitere Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten im Wald geschaffen werden.

Mit der Stilllegung der Bewirtschaftung von weiteren zwei Prozent der Waldfläche sind nach den Worten von Hinz im waldreichsten Bundesland nun insgesamt 31.900 Hektar für die freie Entfaltung der Natur reserviert. Bäume könnten dort in Ruhe altern und etwa Schwarzspecht und Bechsteinfledermaus in ihren Baumhöhlen Unterschlupf finden. Umgefallene und abgestorbene Bäume blieben liegen und würden von Insekten bewohnt. Auch würden damit Rückzugsräume für Wildkatzen und Luchse gesichert. Die Grünen-Politikerin Hinz sprach von einem wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Insgesamt umfasst die zusätzliche Fläche für Naturwald rund 6.400 Hektar.

Der Landesverband des BUND, die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, der Nabu Hessen sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt begrüßten insbesondere die großen zusammenhängenden Bereiche im Reinhardswald, am Vogelsberg, am Grünen Band bei Wanfried und in Kammerforst des Rheingaus als großen Gewinn, von dem künftig viele Generationen an Tieren, Pflanzen Pilzen und auch Menschen profitieren würden.

Die vom Kabinett beschlossene Reduktion von Treibhausgasen um 55 Prozent bis 2030 nannte Umweltministerin Hinz einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität in Hessen. Die Landesregierung reagiere damit nicht zuletzt darauf, dass in dem Bundesland seit 1901 die Durchschnittstemperatur um 1,1 Grad Celsius gestiegen ist. 2018 war demzufolge mit einem Schnitt von 10,5 Grad das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.