Hessen lockert Corona-Beschränkungen deutlich

Wiesbaden (epd).

Das Land Hessen lockert die Corona-Beschränkungen deutlich. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verwies am 22. Juni in Wiesbaden auf die deutlich gesunkenen Inzidenzen von landesweit nur noch 9,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen und sagte: „Ab Freitag wird daher eine weitgehende Rückkehr zu mehr Normalität möglich.“

Nach den Beschlüssen des Corona-Kabinetts entfällt dann die Maskenpflicht im Freien und auch weitgehend in den Schulen, zudem sind ab Ende der Woche wieder Treffen mit mehr Personen sowohl draußen als auch in Innenräumen möglich. Auch das Singen in den Kirchen wird laut Bouffier mit der neuen Corona-Verordnung in Hessen wieder zugelassen. Zudem entfallen die meisten Beschränkungen in der Kultur und im Sport. Selbst Prostitution wird mit Testpflicht, Hygienevorgaben und Kontaktdatenerfassung erstmals seit Beginn des Lockdowns wieder zugelassen.

Bouffier betonte aber, die Pandemie sei noch nicht vorbei, und man müsse gerade mit Blick auf die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus dafür Sorge tragen, dass es nicht zu einer neuen Infektionswelle und dann einer Rückkehr zu Schließungen und Beschränkungen komme. Deshalb könne man auch den Rufen nach vollständiger Aufhebung der Schutzmaßnahmen nicht Folge leisten. Vor allem im öffentlichen Nahverkehr und den Bahnhöfen sowie in den Geschäften bleibe es daher bei der Maskenpflicht. In den Schulen soll der Mund- und Nasenschutz dagegen nur noch in den Fluren, auf Treppen und bis zum Platz in den Klassenräumen gelten, nicht mehr aber auf dem Schulhof oder während des Unterrichts. Das gelte für alle Schulformen, sagte der Regierungschef.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte auch eine weitreichende Lockerung in den Kitas an, die ab 5. Juli vom Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen in den normalen Regelbetrieb mit vollem Betreuungsanspruch der Eltern für ihre Kinder übergehen sollen. Dann soll auch die Vorschrift fallen, dass die Kinder nur in ihren Gruppen bleiben müssen. Eine Maskenpflicht für Kinder und Erzieherinnen oder Erzieher gibt es nicht mehr, sie gilt nur noch für externe Besucher der Kindergärten. Generell rief Klose aber weiter zur Einhaltung der Abstands-, Hygiene- und Lüftungsregeln auf. Auch das Impfen sei von enormer Wichtigkeit, der Minister nannte es die stärkste zur Verfügung stehende Waffe im Kampf gegen das Virus.

Der im Kabinett auch für Gesundheitspolitik zuständige Klose berichtete, dass die zuerst in Indien festgestellte Delta-Variante auch in Hessen immer mehr an Bedeutung gewinne. Es gebe Hinweise, dass sie schon für 20 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich sei. Er und Bouffier warnten, diese Virusmutation sei deutlich ansteckender und verbreite sich auch schneller als die bisherigen Corona-Varianten. Die örtlichen Gesundheitsämter könnten daher, wo nötig, auch wieder Verschärfungen der Regeln veranlassen. Ansonsten gelte das neue Corona-Konzept landesweit, erst bei einem Anstieg der Inzidenzen über 50 kommt es nach dem neuen Eskalationskonzept wieder zu Verschärfungen in den einzelnen Landkreisen oder Großstädten.

Aktuelle Informationen zu Corona in Hessen: http://u.epd.de/1vvl