Anlaufschwierigkeiten bei Corona-Impfungen in Rheinland-Pfalz

Mainz (epd)

Der Start der Corona-Impfungen in Rheinland-Pfalz verläuft nicht ohne Schwierigkeiten. Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm (SPD) bestätigte am 30. Dezember in Mainz, dass eine für den 4. Januar eingeplante Lieferung von 34.000 Impfdosen ersatzlos ausfalle. Dies habe das Land am Vormittag vom Bundesgesundheitsministerium erfahren: "Den Grund dafür kennen wir leider noch nicht." In den ersten drei Tagen seit dem Start der Coronavirus-Impfungen in rheinland-pfälzischen Altenheimen wurden bislang knapp 2.300 Bewohner und Beschäftigte geimpft. Am 30. Dezember begannen auch Impfungen des Personals in mehreren großen rheinland-pfälzischen Kliniken.

Wilhelm und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) räumten bei einer Pressekonferenz in Mainz ein, dass es beim Personal der Alteneinrichtungen noch größere Vorbehalte gegen eine Impfung gebe. Die Erfahrung zeige, dass sich die Impfbereitschaft steigern lasse, wenn sich auch Einrichtungs- und Pflegedienstleiter impfen ließen, sagte die Ministerin. Eine Impfpflicht für Beschäftigte der Pflegebranche lehnt die Landesregierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. Bätzing-Lichtenthäler appellierte an alle Bürger, angebotene Impftermine wahrzunehmen: "Unsere Gesellschaft ist auch in diesem Punkt auf Solidarität angewiesen."

Christoph Loré, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Gesellschaft für ambulante und stationäre Altenhilfe (GFA), sprach von einer "Herkulesaufgabe" für die Heimleitungen. "Die Vorbereitungen waren teilweise schon extrem chaotisch, der eigentliche Impftag dann aber komplikationslos." Nach der Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes hätten kurz vor Weihnachten die Angehörigen und gesetzlichen Betreuer der oftmals demenzkranken Heimbewohner kontaktiert werden müssen. Ein von der GFA betriebenes Heim in Nieder-Olm bei Mainz gehörte zu den ersten, in denen geimpft worden war.

Nach den Plänen des Landes soll der Einsatz mobiler Impfteams in den Einrichtungen bis Ende Februar im Wesentlichen abgeschlossen sein. Nach dem Jahreswechsel sollen auch die 31 Impfzentren im Land ihre Arbeit aufnehmen, die zentrale Terminvergabestelle startet mit der Arbeit am 4. Januar, die ersten Termine werden ab dem 7. Januar vergeben. Die ausgefallene Lieferung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs stelle zunächst noch kein größeres Problem dar, versicherte Wilhelm.

Zunächst können sich nur über 80-Jährige sowie ein Teil der Beschäftigten aus der Gesundheits- und Pflegebranche und Mitarbeiter der Rettungsdienste impfen lassen. Rheinland-Pfalz folgt damit bundesweiten Vorgaben zur Priorisierung des knappen Impfstoffs. Die Gruppe mit höchster Dringlichkeit umfasst landesweit nach Schätzungen des Landes 450.000 bis 460.000 Menschen. Vorläufig erhält Rheinland-Pfalz auf Grundlage eines EU-weiten Verteilungsschlüssels wöchentlich Vakzine für die Impfung von 17.000 Personen.

Alle über 80-jährigen Bürgerinnen und Bürger des Landes sollen in den kommenden Tagen auch ein Informationsschreiben des Landes zur Impfkampagne erhalten. Für die breite Bevölkerung wird eine Coronavirus-Schutzimpfung nach Einschätzungen des Landes erst nach den Sommerferien zur Verfügung stehen. Viel hänge aber davon ab, wie schnell weitere, einfacher zu handhabende Impfstoffe verfügbar sein werden, die auch von Hausärzten verabreicht werden können.