Angriff auf jungen Mann mit Kippa in Köln scharf verurteilt

Düsseldorf, Köln, Frankfurt a.M. (epd).

Die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie Vertreter des Judentums und der evangelischen Kirche haben sich bestürzt über die Attacke auf einen jungen Mann jüdischen Glaubens in Köln geäußert. Der feige Angriff habe „offensichtlich wieder einmal die hässliche Fratze des Antisemitismus in Deutschland sichtbar gemacht“, erklärte Leutheusser-Schnarrenberger am 23. August in Düsseldorf. Der evangelische Kölner Stadtsuperintendent Bernhard Seiger sagte: „Angriffe auf Menschen aus antisemitischen oder anderen religiösen Motiven dürfen weder in unserer Stadt noch an einem anderen Ort geschehen.“

Der junge Mann war nach Polizeiangaben am 20. August in einem Kölner Park von Mitgliedern einer Gruppe geschlagen und getreten worden. Einer aus der Gruppe habe dem Opfer zudem die Kippa vom Kopf geraubt. Rettungskräfte hätten das schwerverletzte Opfer unter anderem mit einem Jochbein-Bruch in eine Klinik gebracht. Die Polizei nahm noch am 21. August kurz nach dem Vorfall zwei mutmaßliche Angreifer im Alter von 18 und 19 Jahren vorübergehend fest. Wegen eines anzunehmenden antisemitischen Hintergrunds der Tat hat der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

„Eine Kippa zu tragen, muss in Köln, in Nordrhein-Westfalen und überall in Deutschland ohne Angst möglich sein“, erklärte Leutheusser-Schnarrenberger. Angriffe auf Leib und Leben von Jüdinnen und Juden seien widerwärtige Attacken, „die konsequent verfolgt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden müssen“, sagte die FDP-Politikerin.

Stadtsuperintendent Seiger erklärte, es sei bedrückend, dass nun ein tätlicher Angriff auf einen jungen Menschen jüdischen Glaubens mitten in Köln stattgefunden habe. Jeder sei verpflichtet, eskalierender Gewalt entgegenzutreten. Das gelte ganz besonders, wenn Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens Opfer würden. Seiger sprach dem verletzten jungen Mann, seiner Familie und der Gemeinschaft der Jüdinnen und Juden in Köln seine Anteilnahme aus.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland warb für mehr Aufklärung unter jungen Menschen über das Judentum. Die Tat von Köln sei auch ein Zeichen dafür, dass vor allem jungen Menschen in Schulen, Bildungseinrichtungen oder anderen öffentlichen Einrichtungen mehr über jüdisches Leben vermittelt werden müsse, erklärte Vorstand Avichai Apel in Frankfurt am Main. Damit solle verhindert werden, dass aus Unwissenheit oder Angst vor dem Fremden nicht Hass und Gewalt würden und sich gegen Jüdinnen und Juden richteten, die seit 1.700 Jahren ein selbstverständlicher Teil Deutschlands seien.

Dem Angriff sei nach ersten Ermittlungen eine antisemitische Beleidigung gegen den jungen Kölner vorausgegangen, hatte die Polizei am Wochenende erklärt. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte am 22. August gesagt, dass antisemitische Übergriffe in der Stadt nicht geduldet würden.

Pressemitteilung Leutheusser-Schnarrenberger: http://u.epd.de/1xu3