Vom anderen Stern

Der Sänger David Bowie wäre am 8. Januar 75 Jahre alt geworden

Er ist der Schöpfer von Major Tom, der völlig losgelöst von der Erde in seinem Raumschiff durch das Weltall schwebt. David Bowie war ein Meister der Selbstinszenierung und prägte als Kunstfigur Ziggy Stardust die Popkultur nachhaltig.

Frankfurt a.M. (epd). Für viele Fans war David Bowie nicht von dieser Welt: Ein Alien vom anderen Stern, ein wandlungsfähiger Visionär - gar der Rock'n'Roll-Messias, den er mit seiner Kunstfigur Ziggy Stardust gab. Der britische Sänger, Schauspieler und Produzent David Bowie gilt als einer der einfluss- und erfolgreichsten Künstler der Rock- und Popgeschichte. Vor 75 Jahren, am 8. Januar 1947, wurde er als David Robert Jones in einfachen Verhältnissen im Londoner Stadtteil Brixton geboren.

In seiner mehr als 50-jährigen Karriere prägte der schlanke, blonde Sänger mit der unverwechselbar exaltierten Stimme die Popkultur wie kaum ein anderer Künstler. Auf der stetigen Suche nach Erfolg erfand sich der egomanische Avantgardist immer wieder selbst. In Musik, Mode und Film wurde der mit einem bisexuellen Image spielende Brite zur Stilikone. Bowie starb am 10. Januar 2016 an Leberkrebs in seiner Wahlheimat New York - zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag.

Fast zwanghaft muteten Bowies Versuche an, seiner Zeit immer einige Schritte voraus zu sein und auf sich aufmerksam zu machen. Dabei schlug er besonders Anfang der 1970er Jahre als kostümierter Glamrocker mit Plateauschuhen, roten Haaren, Makeup und theatralischer Bühnenshow schrille Töne an. Mit rund 140 Millionen verkauften Tonträgern und 26 Studioalben schaffte es das Ausnahmetalent an die Spitze.

Doch der Erfolg fiel dem blassen Engländer, der sich in seinen Jugendjahren für Rock'n'Roll, Buddhismus, Folkmusik und Pantomime begeisterte, nicht in den Schoß. Zehn Jahre lang, ab 1962, mühte sich Bowie als Sänger und Saxofonist in mehreren Bands ab.

Im Zuge der Weltraum- und Mondlandungs-Begeisterung gelang Bowie zwar 1969 mit „Space Oddity“ ein Single-Hit. Die Geschichte um den einsamen Raumfahrer Major Tom, der im All verloren geht, ist Bowies Markenzeichen. Kaum beachtet blieben hingegen seine ersten vier Alben.

Erst 1972 - Bowie war bereits 25 Jahre alt und verheirateter Familienvater - erfuhr seine Karriere mit dem Konzeptalbum „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ einen raketenhaften Schub. Die überdrehte Story über den androgynen Rockstar Ziggy, der den Jugendlichen die Rettung der Welt durch einen außerirdischen „Starman“ verkündet, traf den Nerv vieler junger Leute: Sie waren frustriert von einem tristen Leben in einer vom Atomkrieg bedrohten Welt.

„Es herrschte das allgemeine Gefühl, dass es keine 'Wahrheit' mehr gebe und dass die Zukunft nicht so klar umrissen sei, wie man gedacht hatte“, erinnert sich Bowie 2006 in dem Buch „Moonage Daydream“. Doch der drogenbenebelte „Messias“ Ziggy scheitert letztlich. Bowie ließ ihn 1973 auf der Bühne öffentlich „sterben“ - und wandte sich neuen Ufern zu.

Das „Chamäleon des Pop“, wie Bowie gerne bezeichnet wird, wandelte sich erneut: Als „Thin White Duke“ inszenierte er sich Mitte der 1970er als dekadenter Rock'n'Roll'-Dandy, sprach in Interviews offen über seine Bisexualität: Für die Diskotheken lieferte er aus Rhythm 'n' Blues, Soul und Funk selbstgegossenen „Plastic Soul“ mit Songs wie „Young Americans“ und „Fashion“.

Kritik prasselte auf Bowie ein, als er 1976 in einem Interview seine Sympathien für den Faschismus und Hitler bekundete - später distanzierte er sich davon und führte an, er habe unter Kokaineinfluss gestanden. Im selben Jahr ging er für einen Drogenentzug nach Berlin. Er blieb bis 1978. In dieser Phase entstand seine durch deutsche Elektromusik geprägte „Berliner Trilogie: die Alben “Low„, “Heroes„ und “Lodger„. Der Song “Heroes", der eine von der Berliner Mauer getrennte deutsch-deutsche Liebesbeziehung beschreibt, ist die Bowie-Hymne für viele deutsche Fans.

Anfang der 1980er Jahre schlüpfte Bowie in die Rolle des Anzug tragenden Entertainers, zielte mit eingängiger Popmusik auf ein Massenpublikum. Mit der Band „Queen“ nahm er 1981 den Hit „Under Pressure“ auf. Für das im selben Jahr erschienene Filmdrama „Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ über das Leben einer Berliner Drogenabhängigen schrieb er die Musik.

Endgültig in den Olymp der Superstars stieg Bowie 1983 mit dem Album „Let's Dance“: Mit dem Titelsong und der Nummer „China Girl“ führte er weltweit die Charts an - und geriet in den Folgejahren in eine lang anhaltende Schaffenskrise. Nach einem Herzinfarkt 2003 bei einem Festival im niedersächsischen Scheeßel ließ er es ruhiger angehen.

Nur zwei Tage vor seinem Tod erschien 2016 Bowies letztes Album „Blackstar“. Seine unsterbliche Musik lernen nun vielleicht sogar Außerirdische kennen: In einer 2018 von dem Raumfahrtunternehmen Space X ins All geschossenen Rakete befindet sich ein Tesla-Auto mit einer „Starman“-Figur am Steuer: Er hört den Song „Space Oddity“.

www.davidbowie.com

https://bowie75.com/

Infos zum neuem Bowie-Album „Toy“: http://u.epd.de/223k

Von Alexander Lang (epd)