Umfrage: Öffentliche Hand sollte Kultur stärker fördern

Frankfurt a.M. (epd)

Die öffentliche Hand sollte Kunst und Kultur im Rhein-Main-Gebiet stärker fördern. Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap, die am 25. April in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Für das sogenannten "Kulturbarometer 2019" hatte dimap im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main zwischen dem 22. März und dem 13. April Bürgerinnen und Bürger in der Region telefonisch befragt. 80 Prozent von ihnen hätten sich ein stärkeres Engagement vom Bund, den Städten und Kreisen gewünscht, sagte der Geschäftsführer des Kulturfonds, Helmut Müller. 2012 hätten dies lediglich 72 Prozent der Befragten geäußert.

Insgesamt zeigen sich die Befragten mit dem Kulturangebot in der Region außerordentlich zufrieden. Fast 80 Prozent bewerten es als gerade richtig, jedoch ist die Zahl derer, die das Angebot als unzureichend empfinden, mit elf Prozent ebenfalls leicht gestiegen (plus drei Prozentpunkte). Die große Mehrheit (81 Prozent) sieht das Angebot als einen entscheidenden Faktor bei der Annahme eines Arbeitsplatzes. "Im internationalen Wettbewerb um Führungs- und Nachwuchskräfte wird ein reiches und vielfältiges Kulturleben ein immer wichtigerer Standortfaktor", sagte Müller.

Das Kulturverständnis der Bürger schließt nach der Umfrage vor allem traditionelle Kulturangebote ein: Theater und klassische Konzerte verstehen fast 90 Prozent der Befragten als Kultur, Ausstellungen und Bücher folgen auf Platz zwei und drei. Mehrheitlich werden aber auch Kino, Film und Fotografie (65 Prozent), Pop- und Rockveranstaltungen (58 Prozent) sowie eigene künstlerische Betätigungen (48 Prozent) mit dem Kulturbegriff assoziiert. Fernsehen und Internet hingegen bringen nur rund ein Viertel der Befragten mit dem Wort "Kultur" in Zusammenhang.

Bei der persönlichen Nutzung kultureller Angebote liegt Lesen weiterhin unangefochten auf dem ersten Platz. 87 Prozent der Befragten geben dies an. Ein Anstieg im Vergleich zu 2015 ist beim Besuch von Konzerten (plus vier Prozent) und Kinos (plus zwei Prozent) zu verzeichnen (jeweils 73 Prozent). Doch auch Ausstellungen (69 Prozent) sowie Radio und Fernsehen (68 Prozent) werden häufig genutzt.

Insgesamt zeigen sich in der Befragung erhebliche soziodemografische Unterschiede. Je höher das Alter, das Bildungsniveau und das Einkommen, desto eher nutzen die Befragten kulturelle Angebote. Für Müller wird hierdurch deutlich: "Wenn Kultur für alle zugänglich sein soll, dann müssen wir bei der kulturellen Bildung ansetzen und Kindern und Jugendlichen möglichst früh den Schlüssel dazu in die Hand geben."

Bei der Frage, wie viel Zeit die Befragten akzeptieren, um das Kulturangebot zu erreichen, zeichnet sich ein differenziertes Bild ab: Für Konzerte nehmen die Menschen in der Region die weiteste Anreise in Kauf: Im Durchschnitt sind sie bereit, 81 Minuten zu investieren. Für eine Ausstellung würden sie eine Stunde Zeit für die Anreise auf sich nehmen, ähnlich sieht es mit eigenen künstlerischen Betätigungen aus.

Der Kulturfonds wurde 2007 auf Initiative der hessischen Landesregierung als GmbH mit Sitz in Bad Homburg gegründet. Hauptaufgabe ist es nach eigenen Angaben, die Rhein-Main-Region durch kulturelle Zusammenarbeit besser zu vernetzen, ihre Attraktivität zu stärken sowie ihre kunst- und kulturgeschichtliche Tradition zu dokumentieren. Ein "Kulturbarometer" war zuvor bereits in den Jahren 2015, 2013 und 2012 erstellt worden.

Internet:
www.kulturfonds-frm.de
http://u.epd.de/17u6 (Pressemitteilung zum "Kulturbarometer 2019")