Quadratisch, praktisch, erfolgreich
Die Pixi-Bücher werden 70 Jahre alt

Klein, aber oho: Lediglich zehn mal zehn Zentimeter messen Pixi-Bücher. Auch der Preis ist klein. Expertin Susanne Lux hält sie für ein „großartiges, niedrigschwelliges“ Mittel, die Leselust bei Kindern zu wecken.

Frankfurt a.M., Hamburg (epd). Das Format ist hosentaschentauglich, der Preis erschwinglich: Pixi-Bücher haben einen Umfang von zehn mal zehn Zentimetern und 24 farbig bebilderte Seiten - daran hat sich seit dem Erscheinen der ersten Exemplare vor 70 Jahren nichts geändert. Sie kosteten anfangs 50 Pfennige, heute 99 Cent.

Der günstige Preis war von Beginn an Programm. Jedes Kind sollte sich ein Buch leisten können, fand Per Hjald Carlsen, Gründer und Namensgeber des Carlsen Verlags, der die Pixi-Bücher und zahlreiche andere Reihen herausgibt wie die „Harry Potter“-Bücher.

Der in Berlin geborene Däne Carlsen gründete den Verlag 1953. Er brachte zunächst Geschichten über den Bären „Petzi“ und dessen Freunde heraus. Das erste Buch in der Pixi-Reihe hieß „Miezekatzen“ und erschien nach Verlagsangaben im April 1954. Auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst präsentierte Carlsen die neue Reihe dann erstmals öffentlich. Vorbilder für die deutschen Pixi-Bücher gab es in Kanada, den USA und Großbritannien. Der Name leitet sich ab vom englischen Wort für Kobold oder Wichtel, pixie.

Jährlich erscheinen mittlerweile mehr als 100 neue Titel in der laut Verlag erfolgreichsten Bilderbuchserie aller Zeiten. Fast 2.700 Ausgaben und mehr als 500 Millionen verkaufte Exemplare sind in den 70 Jahren zusammengekommen - von Märchen über Sandmännchen-Geschichten und Tiererzählungen bis hin zu auf Pixi-Format gekürzten Titeln wie „Kleiner Drache Kokosnuss“ oder „Meine Freundin Conni“. Zum 70. Geburtstag in diesem Jahr kommen Titel von berühmten Autorinnen und Autoren wie Cornelia Funke, Paul Maar und Andreas Steinhöfel heraus.

Auch Pixi selbst - laut Verlag ein Waldwichtel, der mit Tieren sprechen kann und in einer Baumhöhle wohnt - nimmt in mehreren der kleinen Bücher die jungen Leserinnen und Leser mit auf seine Abenteuer. Die namensgebende Figur taucht seit 1982 in den Büchern auf und hat ihr Aussehen seitdem mehrmals verändert.

1994 wurde der Pixi-Aufsteller eingeführt: eine Kunststofffigur im Eingangsbereich zahlreicher Buchhandlungen und anderer Geschäfte mit einer großen Schale in den Händen, in die mehrere Hundert Pixi-Bücher passen. Der Aufsteller ist mit rund 1,20 Metern so groß wie ein durchschnittliches Kind von sechs bis sieben Jahren - was ungefähr der Zielgruppe entspricht, denn die Pixi-Bücher richten sich an Kinder ab drei Jahren aufwärts.

Die Mainzer Buchhändlerin Susanne Lux findet den Aufsteller klasse, wie sie sagt. Die Gründerin und Inhaberin der Kinder- und Jugendbuchhandlung „Nimmerland“ ist auch Co-Sprecherin der Interessengruppe Leseförderung im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Mit dem Ausruf „Pixiiiii!!!“ rennen viele Kinder auf die Figur zu, so schildert es Lux dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Pixi-Bücher hält sie für „ein großartiges, niedrigschwelliges Angebot, das Kindern zum kleinen Preis die Möglichkeit gibt, Bekanntschaft mit Büchern zu machen“. Das „Prinzip Buch“ könnten damit auch Kinder kennenlernen, die ansonsten aus wenig bücheraffinen Familien stammten: „Das Von-links-nach-rechts-Blättern, die Tatsache, dass von oben nach unten und von links nach rechts gelesen wird, die Möglichkeit, der Geschichte aufgrund der Illustrationen zu folgen, aber auch die motorischen Fähigkeiten, die geschult werden, weil Pixis eben keine Pappseiten haben, sondern vorsichtig im Pinzettengriff umgeblättert werden müssen, all dies schult Kinder im Umgang mit Büchern.“

Der Autor und Illustrator der Bilderbuchreihe um eine mutige Kuh namens Lieselotte, Alexander Steffensmeier, sagte dem epd, er halte es für „schon beeindruckend, was für einen großen Eindruck diese kleinen Bücher hinterlassen können“. Er selbst habe bereits kurz nach seinem Design-Studium die Chance bekommen, einige Pixis zu illustrieren, „was ich auch deshalb besonders toll fand, da ich natürlich selbst mit den kleinen Büchern aufgewachsen bin“.

Er könne sich noch gut an jedes einzelne Bild seines Lieblingsbuchs erinnern: „Als Kind war mein Lieblingspixi 'Fröhlich, Warm und Furchtlos' von der dänischen Autorin und Illustratorin Kirsten Hoffmann. Die Geschichte handelt von einer alten, mürrischen Frau, die widerwillig drei Hunde bei sich aufnimmt und dadurch wieder zu guter Laune, gestärktem Mut und warmen Füßen findet.“

Das Format zehn mal zehn Zentimeter ist markenrechtlich geschützt. Mittlerweile hat der Carlsen-Verlag noch andere Reihen im Dunstkreis der erfolgreichen Marke herausgebracht: für Babys, über Wissensthemen und Maxi-Pixis. Auch vor der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen scheut der Hamburger Verlag nicht zurück, denn ein Pixi-Buch sei „ein perfektes Give-Away und lässt sich gut als Werbegeschenk einsetzen“. Das nutzten Institutionen, Vereine, Ministerien sowie Unternehmen. Eine Praxis, die auch auf Kritik stößt.

Was nicht käuflich ist, ist die Pixi-Figur: Der Carlsen Verlag gibt sie ausschließlich an Buchhändler ab und diese dürfen sie nicht verkaufen.

Carlsen-Verlag zu Pixi-Büchern: http://u.epd.de/2xe7

Informationen über den Verlag: http://u.epd.de/2xea

Private Fanseite zu Pixi-Büchern: http://u.epd.de/2xe9

Von Susanne Rochholz (epd)