Organisationen würdigen Folksängerin Joan Baez zum 80. Geburtstag

Frankfurt a.M. (epd)

Menschenrechts- und Friedensorganisationen sowie Kirchenvertreter haben anlässlich des 80. Geburtstags der Folksängerin Joan Baez deren humanitäres Engagement gewürdigt. "Mit ihrer faszinierenden Stimme und ihrem unerschütterlichen Engagement für friedliche Proteste und Menschenrechte ist Joan Baez seit über fünf Jahrzehnten eine treibende Kraft im Kampf für eine bessere Welt", erklärte Amnesty International Deutschland in Berlin. Die Menschenrechtsorganisation hatte die Künstlerin 2015 als "Botschafterin des Gewissens" ausgezeichnet. Joan Baez wird am 9. Januar 80 Jahre alt.

Sie habe mit ihrem Talent und ihrem Engagement viele Menschen angespornt, gegen Ungerechtigkeit anzugehen und sich für andere einzusetzen, würdigte Amnesty. Einen Großteil ihres Lebens habe die Sängerin dem gewaltlosen Einsatz für Bürger- und Menschenrechte gewidmet. Sie habe an den Bürgerrechtsmärschen von Martin Luther King teilgenommen, sich gegen die Todesstrafe und Folter eingesetzt und Kampagnen für die Rechte von Schwulen und Lesben unterstützt.

"Joan Baez hat den Soundtrack zur Friedensbewegung geliefert", sagte Charlotte Dany, Geschäftsführerin der Friedensakademie Rheinland-Pfalz in Landau. Baez' Protestlieder hätten auch die deutsche Folkbewegung inspiriert, vor allem die Burg-Waldeck-Festivals im Hunsrück (1964-1969), die als erste Freiluftkonzerte in Deutschland gelten.

Ihre Interpretation des Protestlieds "We Shall Overcome" sei bis heute die Hymne der internationalen Friedensbewegung, sagte Willi van Ooyen, der Sprecher des zentralen Ostermarschbüros, in Frankfurt am Main. Sie habe Künstler aus der Folk-, Pop- und Rockmusik inspiriert, die geholfen hätten, die Friedensbewegung in Deutschland zu stabilisieren und den Pazifismus in der Gesellschaft zu verankern. "Joan Baez hat also eine Langzeitwirkung für die Friedensbewegung, die sicherlich wie Bob Dylan den Nobelpreis - für Frieden oder Literatur - längst verdient hätte."

Ulrich Frey von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden in Bonn betonte: "Nach vier Jahren Trump'scher narzisstischer zerstörerischer Politik hilft sie wieder, das 'andere Amerika' in das Bewusstsein zu heben." Gewalt- und kriegskritische Künstlerinnen und Künstler wie Baez hätten länderübergreifend das Friedensengagement gefördert, sagte Friedhelm Schneider, der ehemalige Präsident des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO) in Brüssel.

Mit ihrer sanften Stimme habe die unbeugbare Sängerin kritisch-provokante Texte einem Millionenpublikum vermittelt, würdigte der pfälzische Friedenspfarrer Detlev Besier. "Manchmal höre ich Lieder von ihr zur eigenen Inspiration, bevor ich Reden für Kundgebungen oder Demonstrationen schreibe", sagte Besier, der auch Vorsitzender der Friedensinitiative Westpfalz in Kaiserslautern ist.