Mainz prüft Umzug des Gutenberg-Museums

Mainz (epd)

Anstelle einer kostspieligen Sanierung könnte das Mainzer Gutenberg-Museum auch in einen Neubau umziehen. Die Stadt Mainz prüft nach dem Bürgerentscheid gegen den umstrittenen Bibelturm zwei mögliche Alternativ-Standorte für das Museum. Erste Ergebnisse eines 2018 gegründeten Beratungsgremiums, der "Arbeitswerkstatt Gutenberg-Museum", wurden am 26. September öffentlich vorgestellt. Im Gespräch ist demnach ein Museumsneubau am nördlichen Rand der Innenstadt neben dem Kurfürstlichen Schloss.

Dafür müsste allerdings eine Grünfläche am Ernst-Ludwig-Platz überbaut werden. Des Weiteren ist nach Überzeugung der Stadtverwaltung das Grundstück eines nahe gelegenen Verwaltungsgebäudes am Rand des Regierungsviertels prinzipiell geeignet. Das sogenannte Allianzhaus wird derzeit überwiegend als städtische Flüchtlingsunterkunft genutzt. Weitere mögliche Alternativen wurden bereits verworfen.

"Wir sind weder in Depressionen noch in Schockstarre gefallen", berichtete die stellvertretende Museumsleiterin Elke Schutt-Kehm vor rund 100 Zuhörern über die Beratungen der Arbeitswerkstatt. In dem Gremium sind sowohl Kommunalpolitiker und Museumsmitarbeiter als auch Vertreter der einst rivalisierenden Bürgerinitiativen für und gegen den Bibelturm vertreten. Die Mitglieder erarbeiten neben einem Standortkonzept auch Vorschläge für die künftige Trägerschaft des "Weltmuseums der Druckkunst", das bislang von der finanzschwachen Landeshauptstadt allein betrieben wird.

Das Gutenberg-Museum verbuche jährlich immer neue Besucherzuwächse, sagte Schutt-Kehm. 2018 seien bereits 148.000 Gäste gezählt worden. Dies führe mittlerweile zu Gedränge, Chaos vor dem Tresorraum mit den Gutenberg-Bibeln und dazu, dass Aufsichten mit Stoppuhr die Besuchergruppen zum Weitergehen auffordern müssen: "Man kommt sich fast vor wie im Bernsteinzimmer in St. Petersburg."

Der bis heute genutzte Museumsbau von 1962 sei bei seiner Eröffnung einer der modernsten Europas gewesen. Inzwischen gilt der Bau als dringend sanierungsbedürftig, die Präsentation der einzigartigen Exponate als nicht mehr zeitgemäß. "Wir brauchen für die Zukunft eine andere Lösung", sagte die Mainzer Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse (SPD).

Mit dem vom Stadtrat im Grundsatz bereits gebilligten Bau des sogenannten Bibelturms sollte ursprünglich die umfassende Erneuerung des Museums am bisherigen Standort eingeleitet werden. In dem geplanten rund 20 Meter hohen Anbau hätten dessen bedeutendste Schätze - die kostbaren Gutenberg-Bibeln aus dem 15. Jahrhundert - ausgestellt werden sollen. Gegen das Projekt in direkter Nachbarschaft zum Dom formierte sich jedoch Widerstand. Beim ersten Bürgerentscheid in der Stadtgeschichte konnten die Bibelturm-Gegner eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent der Stimmen verbuchen und das Vorhaben zu Fall bringen.