Kulturdezernentin empfiehlt Neubau von Frankfurter Bühnen

Frankfurt a.M. (epd)

Ein Neubau von Oper und Schauspiel in Frankfurt am Main wäre kostengünstiger als eine Sanierung. Zu diesem Fazit kommt eine vom Magistrat eingesetzte Stabsstelle, die am 23. Januar die Ergebnisse ihrer Untersuchung vorstellte. Danach werden die Kosten für eine Basis-Sanierung ("nur das Nötigste") auf 826 Millionen Euro und für eine verbesserte Sanierung inklusive baulicher Veränderungen auf 918 Millionen Euro veranschlagt. Der Neubau der sogenannten Doppelanlage am bisherigen Standort Willy-Brandt-Platz wurde auf 874 Millionen Euro taxiert und der Neubau einer Spielstätte am Willy-Brandt-Platz und ein Neubau der anderen Spielstätte an einem zentral gelegenen Standort auf 809 Millionen Euro.

"Die Ergebnisse der Stabsstelle sprechen eine deutliche Sprache", sagte die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Eine Sanierung der Theater-Doppelanlage könne sie nicht empfehlen, weil sie wirtschaftlich nicht vertretbar und nicht nachhaltig sei. Sie favorisiere stattdessen die Variante 4, die Errichtung von zwei Neubauten, mindestens einen davon am Willy-Brandt-Platz, den anderen in zentraler Innenstadtlage. "Dadurch sparen wir eine Interimsspielstätte ein, ermöglichen den Bühnen ein zukunftsfähiges Arbeiten und bieten den Frankfurterinnen und Frankfurtern einen öffentlichen Raum auch jenseits des Spielbetriebs."

Sie halte nichts davon, die Städtischen Bühnen auf ein Grundstück am Osthafen auszulagern, das derzeit noch vom Baustoffhandel Raab Karcher genutzt wird, betonte Hartwig. Dagegen sprächen die mögliche Belastung des Grundstücks durch Altablagerungen, das bauliche Umfeld und die schlechte öffentliche Verkehrsanbindung. "Für mich steht fest: das kulturelle Herz der Stadt schlägt am Willy-Brandt-Platz, wir dürfen es nicht herausreißen", sagte die Kulturdezernentin. Jetzt sei die Frankfurter Koalition aus SPD, CDU und Grünen gefordert, rasch über einen Neubau abzustimmen.

Auch Michael Guntersdorf, Leiter der Stabsstelle "Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt", sprach sich für den Neubau einer Spielstätte am Willy-Brandt-Platz und einem weiteren Standort im Zentrum inklusive eines Produktionszentrums an anderer Stelle aus. Man habe so völlige Planungs- und Kostensicherheit. Die reine Planungs- und Bauzeit bezifferte Guntersdorf auf acht Jahre.

Die im Kulturdezernat angesiedelte Stabsstelle hatte am 1. November 2018 ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Ergebnisse ergänzen die 2017 präsentierte Machbarkeitsstudie, die eine reine Sanierung geprüft und Kosten zwischen 800 und 900 Millionen Euro ermittelt hatte. Angepasst an aktuelle Preissteigerungen und Risikozuschläge liegen die ermittelten Kosten für die Varianten der Studie laut Guntersdorf inzwischen bei über einer Milliarde Euro.

Der Sanierungsbedarf an der Theater-Doppelanlage ist groß. Der im Jahr 1963 fertiggestellte Gebäudekomplex wurde 1991 nach einem Großbrand für rund 170 Millionen Mark (85 Millionen Euro) bühnentechnisch renoviert. Inzwischen gilt die Klima-, Lüftungs- und Heizungstechnik als völlig veraltet. Die Leitungen müssten komplett erneuert werden. Auch die 120 Meter lange Glasfassade weist große Mängel auf. Und im Fundament sind noch die Reste des Schauspiel-Altbaus aus dem Jahr 1902 verarbeitet.

Internet: www.kultur-frankfurt.de