goEast-Filmfestival fast ausschließlich digital

92 Filme aus 38 Ländern im Programm
Wiesbaden (epd)

Das goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden wird in diesem Jahr so gut wie ausschließlich digital stattfinden. Alle Hoffnungen, nach einem Jahr Pandemie die Filme wieder wie gewohnt auf großer Leinwand zeigen und in großem Stil Begegnungen von Menschen ermöglichen zu können, hätten sich zerschlagen, bedauerten Festivalleiterin Heleen Gerritsen und die Chefin des deutschen Filmmuseums, Ellen Harrington, am 16. April bei der Vorstellung des Programms in der hessischen Landeshauptstadt. Nach ersten hybriden Gehversuchen tauche das Festival vom 20. bis 26. April nunmehr "nahezu gänzlich in den Cyberspace ein", hieß es.

Fast alle ursprünglich wieder in Präsenz und im Kino geplanten 92 Filme aus 38 Ländern stünden dem Festivalpublikum jetzt "On Demand", also auf Abruf gegen Gebühr, online zur Verfügung. Auch ein auf dem Dernschen Gelände in der Innenstadt geplantes Autokino zum Ansehen der Filmbeiträge von coronagerecht zur Verfügung gestellten Fahrzeugen aus musste wegen der hohen Infektionszahlen auf den Sommer verschoben werden. Lediglich die internationale Jury zur Prämierung der Beiträge kann sich die Streifen im Caligari-Kino hinter der Wiesbadener Marktkirche ansehen, natürlich unter Einhaltung der Auflagen wie Abstand und Maskenpflicht. Zum Filmprogramm gehören in diesem Jahr 32 Deutschland- und zwei Weltpremieren.

Die Spannweite der Festivalfilme reicht von osteuropäischen Stummfilmen der 1920er Jahre bis zu "Anarcho-Shorts" und einem Virtual-Reality-Projekt aus Turkmenistan. Auch ein Dokumentarfilm über Michail Gorbatschow gehört dazu, ebenso der Beitrag einer tschechischen Roma-Filmemacherin über den Partisanenkampf ihres Großvaters gegen die Nazis. Zudem will ein ungarischer Filmschaffender seine Masterclass bei goEast abhalten, was durchaus auch als Protest gegen die Kulturpolitik von Regierungschef Viktor Orban verstanden werden könne. Überhaupt will das Festival seiner Leiterin Gerritsen zufolge auch politisch Haltung zeigen, was gerade angesichts der Entwicklung in Belarus, Russland, Berg-Karabach und der Ukraine unerlässlich sei. Zudem sollen auch der erste russische Astronaut Juri Gagarin und überhaupt das Thema Raumfahrt eine Rolle spielen.

Die gebürtige Niederländerin Gerritsen erinnerte an ihren Satz vor einem Jahr, als goEast das erste Mal unter der Pandemie zu leiden hatte. "Wenn das Festival noch einmal nur digital stattfinden kann, kündige ich", sagte sie damals. "Wie Sie sehen, bin ich doch noch da", widersprach sie sich bei der virtuellen Pressekonferenz. Sponsoren wie der Kulturdezernent Axel Imholz (SPD) für die Stadt Wiesbaden oder die Geschäftsführerin Karin Wolff für den Kulturfonds Rhein-Main lobten sie ausdrücklich für das Programm trotz anhaltender Corona-Krise. Dazu gehört auch ein Symposium über das Filmschaffen in zentralasiatischen Ländern wie Turkmenistan, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan.

Im Wettbewerb konkurrieren 16 Spiel- und Dokumentarfilme um die Hauptpreise des Festivals. Dazu gehört vor allem die "Goldene Lilie" für den besten Film, der Preis der Stadt Wiesbaden für die beste Regie und der Preis für kulturelle Vielfalt. Alle sind mit Preisgeldern bis zu 10.000 Euro bestückt. Außerhalb des Internets gibt es immerhin noch zwei Angebote: den Ost-Kiosk vor dem Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden mit Drinks und Snacks zum Mitnehmen sowie eine Kurzfilmnacht auf den nächtlichen Straßen von Offenbach, wenn die Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr wieder aufgehoben ist.

www.filmfestival-goeast.de/de/