Documenta-Generaldirektorin Schormann entgegnet anhaltender Kritik

Kassel (epd).

Die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, hat sich gegen die anhaltende Kritik am Umgang der Kunstausstellung mit den Antisemitismusvorwürfen gewehrt. Man habe sich darauf konzentriert, im Sinne der „documenta fifteen“ aufzuklären und zu handeln, erklärte sie in einer am 12. Juli verbreiteten Stellungnahme. Das gehe aber nur gemeinsam mit der künstlerischen Leitung und den Künstlern.

Die Koordination der Überprüfung der Ausstellung auf mögliche weitere antisemitische Inhalte habe das documenta-Archiv übernommen, das dazu ein Netzwerk aus externen Beratern aufgebaut habe, erläuterte Schormann. Für weitere in den Fokus geratene Werke sei eine Sichtung bereits erfolgt. Das entfernte Wimmelbild „People's Justice“ der indonesischen Gruppe Taring Padi, in dem antisemitische Darstellungen zu sehen waren, sei von Experten inzwischen auch juristisch bewertet worden. Eine Strafbarkeit sei laut dem Urteil der Fachleute nicht gegeben.

Nach öffentlichen Protesten war das Werk „People's Justice“ wegen antisemitischer Motive wenige Tage nach Ausstellungsbeginn im Juni zunächst mit Tüchern verhängt und kurz darauf auf Beschluss des documenta-Aufsichtsrates aus der Kunstschau entfernt worden. Der Vorfall löste massive Kritik an der Generaldirektorin aus, auch weil den Mitgliedern des Künstlerkollektivs „Ruangrupa“ als documenta-Kuratoren bereits vorher vorgeworfen worden war, auch Organisationen einzubinden, die antisemitisch seien.

Schormann erklärte am 12. Juli, bereits im Januar, als erste Vorwürfe laut wurden, hätten die künstlerische Leitung und die mittlerweile 1.500 Künstler ein externes Expertengremium zur Überprüfung abgelehnt, da sie sich unter Generalverdacht gestellt sahen und eine Zensur fürchteten. „Insofern gab es bereits im Januar eine deutliche Abwehrhaltung gegenüber Eingriffen in die Kunst“, schreibt sie in der Stellungnahme.

Schormann widersprach zudem Darstellungen von Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, der als Berater vorgesehen war und vor wenigen Tagen seine Mitarbeit aufgekündigt hatte. Seine jüngst erhobene Behauptung, es habe zwei Wochen lang keinen Kontakt mit der documenta gegeben, treffe nicht zu, erklärte sie. Die Direktorin des documenta-Archivs, die für die Koordination zuständig war, habe durchgehend Kontakt mit Mendel gehabt.

Im Hinblick auf die mehrfach geforderte Strukturreform der documenta wies Schormann darauf hin, dass die künstlerische Freiheit durch eine seit Jahrzehnten bestehende Struktur ermöglicht werde, die ein ausgewogenes Zusammenspiel von Gesellschaftern, Aufsichtsrat, Internationaler Findungskommission, Künstlerischer Leitung und Geschäftsführung mit klarer Verteilung der Aufgaben vorsehe. Diese erfolgreiche, aber organisatorisch in die Jahre gekommene Struktur werde seit Ende der „documenta 14“ modernisiert.

Pressemitteilung: http://u.epd.de/29bj