Die Nadelarbeit ins Zeitalter der Digitalisierung führen
Eschwege (epd).

Die Schwälmer Weißstickerei steht jetzt im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Den Antrag dafür hat die ehemalige Handarbeitslehrerin Luzine Happel eingereicht. Die 72-Jährige aus Eschwege beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Stickerei. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erzählt sie, wie sich die feine Handarbeit für die Zukunft bewahren lässt.

epd: Was ist das Reizvolle an der Schwälmer Weißstickerei?

Luzine Happel: Die Stickerei ist weltweit einmalig und interessant, weil sie eine Vielfalt an Techniken in sich vereint. Man kann, wie ich, jahrzehntelang sticken und doch immer wieder völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Die traditionellen Motive Herz, Tulpe, Vogel, Korb und Sonnenblume werden durch moderne Formen wie Schmetterling, Libelle oder Kürbis ergänzt. Zurzeit ist das Besticken von Sofakissenbezügen und Tischbändern sehr beliebt. Man kann Kleidung verzieren oder auch kunstvolle Wandbehänge entstehen lassen. Sticken trägt zur Entspannung bei und kann dadurch für seelisches Gleichgewicht sorgen. Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt ist die Hirnentwicklung. Die Beschäftigung mit beiden Händen gleichzeitig regt das Gehirn an, fördert so die geistige Entwicklung von Kindern und kann bei älteren Menschen dazu beitragen, Demenz zu verhindern.

epd: Warum haben Sie den Antrag auf Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe gestellt?

Happel: Nach einem Boom in den 1980er und 1990er Jahren flachte das Interesse nach der Jahrtausendwende ab und kam mit wachsender Digitalisierung in Deutschland fast vollständig zum Erliegen. Es gibt nur noch sehr wenige, die Wissen und Können weiterzugeben vermögen. Durch mangelnde Nachfrage kann auch notwendiges Material nicht mehr ausreichend produziert werden. Beides würde über kurz oder lang das Aus dieses Kulturgutes bedeuten. Mit der Aufnahme der Schwälmer Weißstickerei in das Bundesweite Verzeichnis des Immaterielle Kulturerbes erhoffe ich mir nun einen Schub.

epd: Wie könnte die Schwälmer Weißstickerei für die Zukunft bewahrt werden?

Happel: Steigendes Interesse ist der Schüssel - kleinste Projekte, um Kinder heranzuführen, moderne Entwürfe, um die Stickerei auch jungen Leuten schmackhaft zu machen und die Nutzung von Social Media sind einige Ansatzpunkte.

https://www.luzine-happel.de/

Pressemitteilung Aufnahme ins Immaterielle Kulturerbe: http://u.epd.de/2y5i

epd-Gespräch: Stefanie Walter