Die Corona-Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse findet dieses Jahr vornehmlich digital statt
Frankfurt a.M. (epd)

Wenige Tage vor Beginn der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober haben sich mehr als 4.200 Aussteller aus 99 Ländern angemeldet - für eine digitale Teilnahme. Täglich gehen nach Auskunft der Fachmesse noch Anmeldungen ein. Im vergangenen Jahr nahmen an der weltgrößten Buchmesse 7.450 Aussteller aus 104 Ländern vor Ort teil. Rund 300.000 Besucher gingen durch die Messehallen. Dieses Jahr bleiben die Hallen leer.

Für das digital vermittelte Geschäft hat die Buchmesse das Portal "www.buchmesse.de" mit Plattformen für die Begegnung von Ausstellern, Verlegern und Händlern von Rechten und Lizenzen geschaffen. Ein Fachprogramm, Konferenzen und eine Kontaktbörse sind aufrufbar. Das digitale Konferenz- und Fachprogramm für das internationale Fachpublikum sieht mehr als 70 Stunden Programm vor.

Auch Begegnungen mit Autorinnen und Autoren finden ersatzweise digital statt: Das "Bookfest" am 17. Oktober bietet ein Programm von 9.30 bis 24 Uhr auf zwei Kanälen mit rund 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an. Aus einem Studio werden Gespräche mit Gästen live übertragen, darunter Margaret Atwood, Peter Wohlleben, Lutz Seiler, Amelie Fried, Arved Fuchs, Katja Brandis und Kirsten Boie. Das gesellschaftspolitische Forum "Weltempfang" wird ebenfalls digital übertragen. Unter dem Motto "Europa - Kulturen verbinden" lassen sich auf der Homepage der Buchmesse und deren YouTube-Kanal 13 Diskussionen von deutschen Autorinnen und Wissenschaftlern mit afrikanischen Partnern verfolgen.

Sowohl digital als auch persönlich vor Ort sind Autorinnen und Autoren auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle in mehr als 60 Veranstaltungen während der fünf Tage zu erleben. Unter anderen werden Cornelia Funke, Jan Böhmermann, Andrea Petkovic, Harald Martenstein, Alice Schwarzer, Harald Welzer und Iris Wolff vor Ort auftreten oder live zugeschaltet. Denis Scheck wird jeden Tag Bücher präsentieren und Joshua Wong von der unterdrückten Demokratiebewegung in Hongkong sich aus der Ferne zuschalten. Bis zu 450 Gäste dürfen die Bühne vor Ort besuchen, die Veranstaltungen werden live über die Buchmessen-Website und die ARD übertragen.

Persönlich teilnehmen können Literaturfreunde an den 77 Veranstaltungen des "Bookfest city" in Frankfurt. Vom 14. bis 18. Oktober gibt es Lesungen und Begegnungen an 36 Orten mit 119 Autorinnen und Autoren, darunter Linda Zervakis, Christoph Peters, Jan Weiler, Gabriele Krone-Schmalz, Andreas Steinhöfel, Margit Auer und die für den Deutschen Buchpreis nominierten Autoren Deniz Ohde ("Streulicht") und Bov Bjerg ("Serpentinen").

Der Verein Litprom zur Förderung von Literatur aus Lateinamerika, Afrika und Asien veranstaltet zu seinem 40-jährigen Bestehen ein Symposium zu afrikanischer Literatur, das über die Internetseiten von Litprom, der Buchmesse und weitere Kanäle übertragen wird.

Der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels werden wie geplant vergeben: der Deutsche Buchpreis am 12. Oktober, 18 Uhr, als Livestream aus dem Frankfurter Rathaus, der Friedenspreis am 18. Oktober in der Frankfurter Paulskirche, live übertragen ab 10.45 Uhr in der ARD. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält zur Verleihung des Friedenspreises die Laudatio auf den indischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Amartya Sen, der per Video zugeschaltet wird. Der Auftritt des Gastlandes Kanada wird im Wesentlichen auf das kommende Jahr verschoben.

Für einen kleineren Verlag wie den in Gießen ansässigen Brunnen-Verlag fällt die Buchmesse aus. "Wir beteiligen uns nicht an der digitalen Buchmesse", sagte Vertriebsleiter Hartmut Schweitzer dem epd. Der Verlag und die mit ihm verbundenen Alpha-Buchhandlungen versuchten stattdessen, die Händler direkt zu erreichen. Bisher sei der Verlag häufig mit mehreren Ständen in den Messehallen im Verlagsbereich, im Kinder- und Jugendbuchbereich und im Non-Book-Bereich vertreten gewesen. Der Verlag erwarte aber keine Geschäftseinbußen durch den Wegfall der Stände. Allerdings werde das Lizenzgeschäft aufgrund des Fernbleibens der ausländischen Verlage schwieriger.

www.buchmesse.de

Von Jens Bayer-Gimm (epd)