Ausstellungen über Rassismus in Frankfurt

Frankfurt a.M. (epd)

Gleich zwei Ausstellungen über Rassismus eröffnen in der 40. Kalenderwoche in Frankfurt am Main: Das Historische Museum Frankfurt zeigt ab 1. Oktober die Schau "Ich sehe was, was du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment", die Bildungsstätte Anne Frank seit 29. September die Kabinettausstellung "Hingucker? Kolonialismus und Rassismus ausstellen". Deutschland und Frankfurt hätten sich erst wenig mit der Geschichte des Kolonialismus und Rassismus beschäftigt, sagte der Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Jan Gerchow, am 28. September. Dabei wirke diese Geschichte bis heute nach. Erst die NSU-Mordserie sowie die Morde in Wolfhagen-Istha und Hanau hätten zu einer Diskussion über Rassismus in der Gesellschaft geführt.

Die Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt soll nach den Worten der Kuratorin Susanne Gesser den "Alltagsrassismus bekämpfen". Die Schau sei gemeinsam mit mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, finanziert vom 360-Grad-Fonds der Kulturstiftung des Bundes, erarbeitet worden. "Noch nie war eine Ausstellung im Museum so aktuell", sagte Gesser. Die Arbeiten thematisieren Formen von Rassismus, Auswirkungen des Kolonialismus, die Lebenssituation und den Widerstand von Einwanderern und Flüchtlingen. So hängt an einer Wand ein vier mal sechs Meter hohes Plakat mit mehr als 200 Namen von Menschen, die rechtsradikaler oder rassistischer Gewalt zum Opfer gefallen sind. Alle Namen bilden die Gestalt Deutschlands nach. Das Plakat wurde anlässlich bundesweiter Kundgebungen gegen Rassismus am 8. Mai an der Fassade der Alten Oper Frankfurt aufgehängt.

Ein begehbares Labyrinth aus zeltartigen Zwischenwänden der Künstler Lillian Dam Bracia und Pien den Hollander soll Besucher in einen "Zwischenzustand" entführen, in dem sich viele Migranten befinden: Zwischen Grenzen, Gesetzen und Identitäten. An Hörstationen in dem Labyrinth berichten Migranten aus ihrem Leben. Sarmina Stuman von der Afghan Refugees Movement schließlich hat den Nachlass eines 19-jährigen afghanischen Flüchtlings in einer Vitrine ausgebreitet. Matiullah Jabarkhil wurde 2018 in Fulda von der Polizei erschossen, nachdem er vor einer Bäckerei randaliert und einen Lieferanten sowie einen hinzugerufenen Polizisten verletzt hatte. Der Fall ist letztlich noch nicht aufgeklärt.

Die Kabinettausstellung in der Bildungsstätte Anne Frank beleuchtet den Kolonialismus aus der Perspektive der Kolonisierten, wie Direktor Meron Mendel erläuterte: "Wie haben die betroffenen Menschen Kolonialismus erlebt und was haben sie dagegen geleistet?" Die Diskussion über Straßennamen, Geschäftsnamen und Museumsexponate aus der Kolonialzeit sei überfällig. Das gezeichnete Porträt eines andeutungsweise gut gekleideten Schwarzen mit Opernglas eröffnet die Schau. Kwelle Ndumbe sei 1896 zusammen mit anderen Schwarzen und geraubten Kunstwerken für eine Kolonialausstellung nach Berlin verschifft worden, erklärte Kuratorin Jeanne Nzakizabandi. Er habe die rassistische Logik des Ausstellens wilder Menschen durchbrochen, indem er seinerseits mit einem Opernglas die Betrachter betrachtete.

Dass sogenannte Völkerschauen häufig Teil von Kolonialausstellungen waren, zeigt auch ein Plakat von 1884 in Frankfurt am Main. Es preist als Attraktion 43 Singhalesen und 20 Arbeitselefanten an. Den Widerstand von Kolonisierten dokumentiert unter anderem eine wiederentdeckte Audioaufnahme von 1931 aus Namibia. Ein Einheimischer im damaligen Deutsch-Südwestafrika fragt einen Deutschen, warum er denn Abformungen von Gesichtern und Köpfen macht und die Körper von Schwarzen abmisst. Er äußert auf Otjiherero seine Wut über die Kolonialisten und fordert Entschädigung. Porträtfotografien von Schwarzen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Europa gegen Rassismus starkmachten, zeigen, dass dieser mit seinem Protest nicht alleine stand.

www.historisches-museum-frankfurt.de

www.bs-anne-frank.de