Wie eine Schutzburg

Jugendburg Hohensolms beherbergt 50 Flüchtlinge aus der Ukraine

Seit Mai leben Flüchtlinge aus der Ukraine in der evangelischen Jugendburg Hohensolms. Anfangs gab es kleine Konflikte, aber inzwischen herrscht ein „gutes Miteinander“.

Wetzlar, Hohensolms (epd). Vor dem Haupteingang zur Burg kicken ein paar große Jungs, ein Mann kommt mit einem winzigen weißen Hündchen vorbei. Auf ukrainisch motiviert er es, weiterzulaufen. Zwei Touristen schieben ihre Räder den Berg hinauf. Die evangelische Jugendburg Hohensolms beherbergt zurzeit ganz unterschiedliche Menschen: Geflüchtete aus der Ukraine und die üblichen Gäste, etwa Chöre, Jugendliche auf Freizeiten oder Gruppen aus Kirchengemeinden.

Die ersten Ukrainerinnen und Ukrainer zogen am 5. Mai ein, um die 25 Leute. Sie hätten gesagt: Das Gebäude sei wie eine Schutzburg für sie, erinnert sich die Pröpstin der Evangelischen Propstei Nord-Nassau, Sabine Bertram-Schäfer. Die Jugendburg gehört der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie stellte sie für ukrainische Geflüchtete zur Verfügung.

Die Flüchtlinge leben in einem Trakt der imposanten Burg, die „normalen“ Gäste in einem anderen. „Auf dem Burghof begegnen sie sich“, schildert die Geschäftsführerin Annette Frenz. Der Kontakt entstehe schnell, sofort sei ein Fußball da, es werde gekickt. „Das passiert ganz niederschwellig und einfach.“

Dennoch gab es in den ersten zwei Wochen auch Konflikte innerhalb der ukrainischen Bewohnerschaft, wie es bei einem Termin mit Vertretern der Kirche und des Lahn-Dill-Kreises am Dienstag in der Burg zur Sprache kam. Unter den Geflüchteten waren auch Studierende aus Drittstaaten, das Zusammenleben verlief nicht immer reibungslos, „manch einer ist durch die Ereignisse der Flucht stärker geprägt“, sagt Frenz. Seitdem gebe es aber ein „gutes Miteinander“.

Zurzeit leben rund 50 Geflüchtete in der Burg, darunter 15 Kinder, die Fluktuation sei gering, berichtet Frenz. Der Lahn-Dill-Kreis zahlt nach Angaben von Landrat Wolfgang Schuster (SPD) eine Tagespauschale, die drei Mahlzeiten umfasst. Seit dem 1. Juli ist Viola Heep von der Diakonie Lahn-Dill regelmäßig in der Jugendburg und hilft bei Behördengängen, Wohnungs- und Arbeitssuche oder Kindergeldanträgen. „Es gibt viel, was getan werden muss“, sagt sie.

Die Ukrainer nutzen acht Schlafräume und acht Tagesräume. Hinter einer Tür verbirgt sich eine Kleiderkammer. Im Rittersaal sitzt ein Junge und daddelt am Handy. Auf einem Tisch liegen Infos der Ehrenamtlichen aus, die bei vielen Dingen in der Burg aushelfen. „Den Rittersaal haben sich die Geflüchteten zu eigen gemacht, er wird immer von jemandem benutzt“, sagt Frenz. Ein Medizinstudent benötige den Raum regelmäßig für sein Online-Studium, erzählt eine ehrenamtliche Helferin.

Der Vertrag mit dem Lahn-Dill-Kreis läuft für zunächst sechs Monate. Ob er verlängert wird, hänge vom Kreis ab, sagt Frenz. Die EKHN will die Jugendburg verkaufen, der Prozess laufe schon lange, jetzt würden Gespräche über den Verkauf geführt und „es bildet sich ab, wer den Zuschlag bekommt“, berichtet Bertram-Schäfer. Aber auch wenn die Burg in eine neue Trägerschaft übergeht, bestehe der Vertrag weiter, erklärt Frenz.

Insgesamt 4.800 Flüchtlinge leben derzeit im Lahn-Dill-Kreis, davon 3.300 Ukrainer. Die Jugendburg sei nach dem Ankunftszentrum die größte Flüchtlingsunterkunft, berichtet Gero Lottermann vom Fachdienst Zuwanderung und Integration des Landkreises.

www.jugendburg.de

Von Stefanie Walter (epd)