Volker Jung: Aggressionen gegen Kirchenvertreter nehmen zu

Darmstadt, Mainz (epd)

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung beobachtet seit einigen Jahren zunehmend aggressive Beschimpfungen und Drohungen gegen Kirchenvertreter. Er habe vor einiger Zeit auch eine Morddrohung erhalten, sagte Jung in einem Interview der "Allgemeinen Zeitung" in Mainz (22. Januar). Die Kirche und die Polizei hätten bei dem Absender psychische Probleme vermutet "und entsprechende Vorkehrungen getroffen". Anfang des Jahres offenbarte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, dass er wegen seines Einsatzes für ein Flüchtlings-Rettungsschiff im Mittelmeer im vergangenen Herbst Morddrohungen erhielt.

Beschimpfungen und Drohungen habe er vor allem erhalten, als er sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eingesetzt habe, sagte Jung. "Es gab viele aggressive Mails, bis hin zu persönlichen Verfluchungen". Die Kirche versuche dann in der Regel, Kontakt zum Absender aufnehmen und sachlich zu antworten. Aber wenn deutlich werde, dass es sich um "Textbausteine aus einer gesteuerten Kampagne" handele, mache das keinen Sinn. Bei schweren Fällen prüfe die Kirche juristische Schritte, auch bei Drohungen gegen Mitarbeiter.

Die Zunahme aggressiver Zuschriften führt der Kirchenpräsident auf ein "verändertes Diskussionsklima" zurück. "Für viele gibt es nur noch ein Entweder-Oder." Eine aggressive politische Debatte, die besonders von Rechtspopulisten angestachelt worden sei, habe dahin neue Tore aufgestoßen. Aufregungen im Internet bekämen immer dann ein besonderes Gewicht, wenn sie auch von "klassischen Medien" weitergetragen würden. Medien müssten daher das richtige Maß finden "auszuwählen, was wirklich wichtig ist".

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