Trotz Mehreinnahmen muss die kurhessische Kirche sparen

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat mehr Kirchensteuer eingenommen als geplant. Dennoch sollen angesichts sinkender Mitgliederzahlen alle Arbeitsbereiche der Kirche auf ihre Sparpotenziale untersucht werden.

Hofgeismar (epd). Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat 2021 das Kirchensteueraufkommen um 5,6 Prozent auf rund 206 Millionen Euro gesteigert. Das geht aus dem Finanzbericht von Vizepräsident Volker Knöppel hervor, den er am 22. November der Synode in Hofgeismar vorstellte. Demnach beläuft sich das Plus gegenüber 2020 auf rund 10,9 Millionen Euro.

Dies gebe jedoch nur bedingt Anlass zu Freude, erläuterte Knöppel. Er verwies auf das Kirchenlohnsteuer-Verrechnungsfahren. Über dieses sogenannte Clearing-Verfahren habe die EKKW bereits rund 7,6 Millionen Euro mehr als geplant an andere Landeskirchen entrichten müssen.

Auch 2022 sind die Kirchensteuereinnahmen in den ersten zehn Monaten gestiegen, und zwar um 3,07 Prozent. Knöppel bezifferte das Plus auf rund 4,9 Millionen Euro. Mehreinnahmen in Höhe von aktuell geschätzt 1,5 Millionen Euro resultierten aus der Energiepreispauschale. Nach Angaben der EKKW soll das Geld den regionalen diakonischen Werken zur Verfügung gestellt werden, um Menschen zu helfen, die von den hohen Heizkosten besonders betroffen sind.

Knöppel rechnet dieses Jahr mit ähnlich hohen Kirchensteuereinnahmen wie 2021. Er verwies jedoch auch auf Zahlungen im Zuge des Clearing-Verfahrens in Höhe von rund 18,2 Millionen Euro, sodass sich der Nachtragshaushalt 2022 auf rund 188 Millionen Euro belaufe.

Für den Doppelhaushalt 2024/2025 geht Knöppel von einem deutlichen Defizit aus: Demnach müssen 2024 rund 10,6 Millionen Euro und 2025 weitere 14,4 Millionen Euro eingespart werden. Die Lücke könne nicht mehr durch die Kirchensteuerschwankungsreserve ausgeglichen werden, da das Sondervermögen bereits zum Ausgleich des Doppelhaushalts 2022/2023 eingeplant sei. Für 2030 rechne er mit einem Haushaltsdefizit von knapp 52 Millionen Euro.

Deshalb hat die Synode am 22. November allgemeine Eckpunkte für Einsparungen beim Doppelhaushalt 2024/2025 beschlossen. Demnach sollen alle kirchlichen Ebenen eigenverantwortlich einen Teil zur Einsparung beitragen und somit ihre Gesamtverantwortung wahrnehmen. Darüber hinaus sollen Bereiche wie Gebäude, Verwaltung, Besoldung, Finanzierung der Kitas und der regionalen Diakonischen Werke sowie alle Arbeitsfelder auf Einsparpotenzial geprüft werden.

Knöppel befasste sich in seinem Bericht auch mit der Mitgliederentwicklung, deren Negativtrend sich fortsetzt. Demnach zählte die Landeskirche Ende 2021 rund 749.500 Mitglieder, das sind 17.600 weniger als 2020 (minus 2,3 Prozent). Der Trend setze sich 2022 fort: Bis 31. Oktober habe die EKKW weitere rund 14.800 Menschen verloren, sodass sie derzeit knapp 735.000 Mitglieder zählt.

Den voraussichtlichen Mitgliederrückgang für 2022 bezifferte Knöppel auf 2,37 Prozent. Damit setzte sich die Tendenz für die kurhessische Kirche der Vorjahre leider fort, resümierte er. Zudem falle der konstante Negativtrend deutlich höher aus, als in der sogenannten Freiburg-Studie angenommen, die für die EKKW ein Minus von 1,3 Prozent prognostiziert hatte.

Die EKKW-Synode tagt bis Mittwoch, 23. November. Weiterer Tagesordnungspunkt ist unter anderem der Reformprozess der Landeskirche.

Livestream: www.ekkw.de