Lutherpreisträgerin Ates: Einsatz für Freiheit nicht einfach

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Frauenrechtlerin Seyran Ates bekommt Lutherpreis
Marburg (epd)

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates (56) ist am 27. April in Marburg mit dem Lutherpreis "Das unerschrockene Wort" ausgezeichnet worden. "Der Einsatz für Freiheit und Demokratie ist auch in einem Land wie Deutschland leider nicht einfach und keine Selbstverständlichkeit", sagte die in Berlin lebende Anwältin in ihrer Dankesrede laut Redemanuskript. "Wenn ich mich beklage über einen politischen Islam, wenn ich mich fürchte vor rechtsradikalen Deutschen, dann aus denselben Gründen." Diese Extremisten hätten dieselben Wertvorstellungen.

Millionen von Menschen aus allen sozialen Schichten und allen Strömungen des Islam wünschten sich eine Modernisierung dieser Religion, sagte Ates weiter. Sie wünschten sich, befreit zu werden von Terroristen, Erdöl-Millionären und sogenannten Autoritäten, die den Islam für ihr patriarchales Herrschaftssystem und ihre Bankkonten missbrauchten.

Die Preisverleihung in der Lutherischen Pfarrkirche fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. "Für mich ist das Realität seit 13 Jahren", sagte Ates auf einer Pressekonferenz vor der Festveranstaltung. Seit 2006 stehe sie unter Polizeischutz. Zeitweilig musste sie ihre Kanzlei schließen und ihre Arbeit einstellen. Doch habe "in diesem freien Land" der Staat gesagt, dass das nicht in Ordnung sei. "Das macht am Ende ein freies Land aus." Seit der Eröffnung der von ihr initiierten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin sei die Gefährdung nochmals gestiegen.

Grund der Angriffe sei, dass sie als Frau in eine Männerdomäne eingetreten sei. "Das sind Dinge, die bestimmte Menschen nicht mögen." Ihre Gegner rege am meisten auf, dass in der Moschee Männer und Frauen gemeinsam und dass Frauen mit und ohne Kopftuch beten. Frauen könnten das Gebet leiten. Außerdem setze sich die Moschee für Homosexuelle ein. Jeden Freitag rufe eine Frau - mit Kopftuch - zum Gebet.

Es sei der Charakter des Lutherpreises, alles sagen und denken zu können, ohne gefährdet zu sein, sagte Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) vor der Veranstaltung. "Dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist, wird uns an Frau Ates bewusst."

Im Andenken an das Wirken Martin Luthers wird "Das unerschrockene Wort" seit 1996 alle zwei Jahre in einer der Lutherstädte vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Im Bund der Lutherstädte sind 16 Orte in Deutschland zusammengeschlossen, an denen Luther gelebt oder gewirkt hat. Sie würdigen Personen, die Zivilcourage zeigen und sich mit Wort, Tat und Mut gegen Widerstände für die Gesellschaft einsetzen.