Kurhessische Kirche muss ihre Ausgaben senken

Kirchensteuereinnahmen der Landeskirche steigen im laufenden Jahr

Die kurhessische Kirche steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Laut mittelfristiger Finanzplanung könnte bis 2030 eine Deckungslücke von 58,5 Millionen Euro im Haushalt entstehen. Die Synode verabschiedete nun die Planung bei ihrer Tagung.

Kassel/Hofgeismar (epd). Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) muss verstärkt Kosten einsparen. Das zeigt die mittelfristige Finanzplanung bis 2030, die Vizepräsident Volker Knöppel der Landesynode am 23. November vorstellte und die von ihr verabschiedet wurde. Bei gleichbleibenden Ausgaben und zugleich sinkenden Einnahmen durch Kirchensteuern könnte eine Deckungslücke von bis zu 58,5 Millionen Euro im Haushalt der Landeskirche entstehen.

Für das laufende Jahr verzeichnet die Landeskirche aber noch ein Plus an Kirchensteuern. Nach einem Minus im vergangenen Jahr seien diese in den ersten zehn Monaten um 5,9 Prozent gestiegen, sagte Vizepräsident Knöppel in seinem Finanzbericht. Das entspreche Mehreinnahmen von rund neun Millionen Euro.

Die positive Entwicklung sei vor allem auf den Anstieg der Kircheneinkommenssteuer (+32,8 Prozent) sowie der Kirchensteuer auf Kapitalerträge (+38,8 Prozent) zurückzuführen, führte Knöppel aus. Bei der Haupteinnahmequelle der Landeskirche, der Kirchenlohnsteuer, sei das Aufkommen im Vergleich zu 2019 lediglich um 0,2 Prozent gestiegen.

Den Mitgliederverlust bezifferte der Vizepräsident für 2021 auf 1,9 Prozent. Die Mitgliederzahl in der EKKW belief sich zum 31. Oktober auf 752.558 Mitglieder, das sind 14.600 weniger als im Vorjahr. Mit diesem Wert liege die Landeskirche über dem prognostizierten Rückgang der sogenannten Freiburg-Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland, die von einem durchschnittlichen jährlichen Verlust bei den evangelischen Kirchen von 1,3 Prozent ausgeht.

Knöppel stimmte die Synode für die nächsten Jahre auf einen Umbruch ein: „Durch die kommenden zahlreichen Renteneintritte, die ihren Höhepunkt um das Jahr 2030 haben werden, werden wir nicht nur real, sondern auch nominal an Kirchensteuern einbüßen.“ Es gelte, das finanzielle Zwischenhoch zu nutzen, um Reserven für die vor der Landeskirche liegenden Einsparprozesse vorzuhalten.

Für den Haushalt 2023/2024 erwartet Knöppel ein Minus bei den Einnahmen von rund 14 Millionen Euro. Zurückzuführen sei dies auf das Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsleben. Damit verbunden seien sinkende Kirchensteuern.

Der Vizepräsident wies daraufhin, dass bereits der Doppelhaushalt 2022/2023 ein Defizit von 14 Millionen aufweise. Dieser soll am 25. November von der Synode verabschiedet werden. Für den vollständigen Haushaltsausgleich müsse Geld aus der Kirchenschwankungssteuerreserve entnommen werden Diese betrage 14,6 Millionen Euro. Mit dem Haushaltsausgleich für 2022/2023 werde sie nahezu vollständig aufgebraucht sein.

Knöppel mahnte an, die Ausgaben zwingend zu senken, was auch Personalabbau einschließe. Die Reformbeschlüsse der Herbstsynode 2015 reichen nach seinen Ansicht alleine nicht aus. Für die Jahre 2024 und 2025 seien Einsparungen von 32 Millionen Euro nötig.

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