Hessen-nassauische Kirchensynode berät über schmerzhafte Reformen

Worms (epd).

Die Gemeinden der hessen-nassauischen Landeskirche (EKHN) sollen sich in den kommenden Jahren von einem erheblichen Teil ihrer Pfarr- und Gemeindehäuser trennen. Ein am 11. September auf der EKHN-Synode in Worms kontrovers diskutiertes „Kirchengesetz zum qualitativen Konzentrationsprozess bei kirchlichen Gebäuden“ sieht auch vor, dass die Baulasten für kirchliche Kindergärten durch entsprechende Vereinbarungen bis 2027 an die Kommunen übergeben werden sollen. Beschlüsse über die Vorlage werden frühestens auf der mehrtägigen Synode im November gefasst.

Der für Liegenschaften zuständige Oberkirchenrat Markus Keller erklärte, die verfügbaren Mittel reichten nicht aus, um alle im Eigentum der EKHN befindlichen Gebäude dauerhaft zu erhalten: „Es kann und darf kein 'Weiter so' geben.“ Er stellte zugleich klar, dass die Aufgabe von Kirchen auch künftig nur in Ausnahmefällen infrage komme. Die „goldenen Jahre“ der Nachkriegszeit, als die EKHN ihren Gebäudebestand innerhalb einer Generation verdoppelt habe, seien aber definitiv vorbei.

Über den künftigen Gebäudebestand sollen künftig maßgeblich die von der EKHN geplanten „Nachbarschaftsräume“ aus mehreren benachbarten Gemeinden entscheiden. Einige Synodale warnten davor, noch vor dem Start verbindliche Kooperationen würden dadurch die Nachbarschaftsbeziehungen vielerorts vergiften. Der hessische Pfarrer Martin Schindel kritisierte, mit den von der Landeskirche angesetzten Vorgaben hätten Gemeinden nicht einmal mehr genug Platz, um alle Akten vorschriftsgemäß zu lagern.

Für die eintägige Synode waren rund 80 Kirchendelegierte im Tagungszentrum „Das Wormser“ zusammengekommen. Die übrigen Delegierten wurden wegen der Corona-Pandemie online zugeschaltet. Kirchenpräsident Volker Jung hatte die Synode zum Auftakt der Beratungen auf die großen anstehenden Veränderungen eingestimmt. „Der effektivere Einsatz der Ressourcen ist kein Selbstzweck“, sagte er. Die Reformen sollten sicherstellen, dass es auch künftig möglich bleibe, „Gott zu feiern und Glauben in Gemeinschaft zu erleben“.

Nahezu einmütig verabschiedete die Synode eine Resolution, die nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan die Aufnahme afghanischer Flüchtlinge und Erleichterungen beim Familiennachzug fordert. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die mit einem Grußwort zu den Synodalen sprach, stellte eine Bleiberechtsregelung für bislang lediglich geduldete abgelehnte Asylbewerber aus dem Land in Aussicht. Sie würdigte die evangelische Kirche zudem als unverzichtbar für Rheinland-Pfalz: „Sie sind nicht Kirche von gestern, Sie verfolgen immer progressive Positionen.“

Die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) wurde in Worms mit der Martin-Niemöller-Medaille der EKHN ausgezeichnet. Die 62-jährige Politikerin wurde damit für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in verschiedenen evangelischen Gremien geehrt. Wolff hatte selbst fast zwei Jahrzehnte lang der Synode angehört und war bis 2020 Vorsitzende der EKHN-Ehrenamtsakademie.

Die Synode ist das höchste Organ der EKHN. Sie erlässt Gesetze, wählt die wichtigsten Leitungspersonen und beschließt den Haushalt. Aktuell hat sie 140 Sitze. Zwei Drittel der gewählten Synodalen sollen laut Kirchenordnung Gemeindemitglieder sein, ein Drittel Pfarrerinnen und Pfarrer.

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