EKHN: Mögliche Nachfolger von Kirchenpräsident Jung stellen sich vor
Frankfurt a.M. (epd).

Zwei Frauen und ein Mann möchten die Nachfolge des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung antreten, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Bei ihrer Vorstellung am 28. Mai in Frankfurt am Main sprachen die Pröpstin für Rheinhessen und das Nassauer Land, Henriette Crüwell, die Theologieprofessorin an der Universität Zürich, Christiane Tietz, und der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz des Landtags und der Landesregierung in Wiesbaden, Martin Mencke, davon, wie schwierig der Transformationsprozess der Kirche sei, in dem sie sich wegen der sinkenden Mitgliederzahlen derzeit befindet.

Sie sei dennoch eine „hoffnungsvolle Realistin“, sagte Christiane Tietz. Ihr mache Mut, dass sich so viele Menschen für die Kirche engagierten. Sollte sie Kirchenpräsidentin werden, wolle sie die Situation theologisch gründlicher durchdenken, um zu sehen, wie die Kirche die Menschen vor Ort unterstützen könne. In Zukunft gehe es darum, Neues zu wagen und dennoch Traditionen zu pflegen.

Martin Mencke betonte, er sei „von Herzen gerne Pfarrer“. Während seiner Zeit in Washington DC (USA) sei ihm deutlich geworden, wie wichtig „eine Eigentümerschaft“ von Kirche sei. Die Menschen müssten sagen können „das ist mein Laden“. Für den Transformationsprozess sei es wichtig, in einen Austausch darüber zu kommen, „welche Kirche wir sein wollen“. Es gelte, Zielbilder zu formulieren „und nach vorne zu bringen“. Dennoch könne es sinnvoll sein, mehr Entscheidungen vor Ort zu ermöglichen, das setze Identifikation mit der Kirche frei.

Pröpstin Crüwell sprach von der großen Chance, jetzt „darüber in ein Gespräch zu kommen, wozu wir Kirche sind“. Diesen Prozess wolle sie anstoßen und begleiten. Sie sehe den Mut der Menschen vor Ort, mit dem sie die kirchlichen Gemeinden aufrechterhalten. Vonseiten der Kirchenleitung zu sagen, wo es langgehen soll, sei nicht protestantisch. „Wir müssen das miteinander machen“, sagte sie, und die Menschenfreundlichkeit Gottes in die Gesellschaft tragen.

Tietz ist 1967 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Theologie und Mathematik und wurde in Tübingen in Evangelischer Theologie promoviert und habilitiert. 2008 wurde sie Theologieprofessorin an der Universität Mainz, seit 2013 ist sie Professorin für Systematische Theologie an der Universität Zürich. Sie ist als Mitglied der EKHN berufene Delegierte der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der Union Evangelischer Kirchen in der EKD. Außerdem ist sie Pfarrerin im Ehrenamt in Frankfurt.

Die 1971 in Offenbach geborene Henriette Crüwell war zunächst katholisch, studierte Rechtswissenschaften und war in der Rechtsberatung tätig. Danach sattelte sie um und studierte Philosophie und Katholische Theologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Anschließend wurde Crüwell eine der beiden deutschlandweit ersten Pfarrerinnen der Alt-Katholischen Kirche in Bonn. 2013 trat sie zur evangelischen Kirche über und arbeitete zunächst im Rheinland, ab 2015 als Pfarrerin in der EKHN. Zunächst war sie an der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter in Frankfurt tätig, ab 2016 Gemeindepfarrerin in Offenbach. 2022 wurde Crüwell zur Pröpstin für Rheinhessen und das Nassauer Land gewählt.

Der 1966 in Hofheim (Taunus) geborene Martin Mencke studierte Evangelische Theologie in Heidelberg, Tübingen und Berlin. Nach einer Promotion an der Universität Tübingen wurde er Pfarrer in Strinz-Trinitatis, Limbach und Wallbach (Hünstetten), danach bei der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde in Washington DC (USA). Von 2011 bis 2023 war Mencke Dekan des Evangelischen Dekanats Wiesbaden. 2021 kandidierte er bereits für das badische Bischofsamt. Seit Juni 2023 ist Mencke Beauftragter der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz des Landtags und der Landesregierung in Wiesbaden und vertritt dort die Interessen von Kirche und Diakonie.

Die 120 Mitglieder der Kirchensynode wählen die künftige Kirchenpräsidentin oder den künftigen Kirchenpräsidenten am 28. September. Die Amtszeit einer Wahlperiode dauert acht Jahre.

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