Bibelmuseum droht Schließung

Frankfurt a.M. (epd)

Dem "Bibelhaus Erlebnis Museum" in Frankfurt am Main droht das Aus. Die Leitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) schlägt der Ende November tagenden Synode vor, den jährlichen Zuschuss von rund 616.000 Euro bis Ende 2024 einzustellen. Der Jahresetat beträgt rund eine Million Euro. "Wir sind entsetzt über die Beschlussvorlage", sagte der Museumsdirektor Jürgen Schefzyk am 13. November dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch alle Partner, zu denen die Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main, das Deutsche Historische Museum, die Bayerische Staatsbibliothek oder das Pariser Louvre gehören, äußerten Entsetzen. Das Museum habe erst aus der Beschlussvorlage von der Entscheidung der Kirchenleitung erfahren.

Das Frankfurter Bibelhaus ist nach den Worten des Direktors des einzige Bibelmuseum in Deutschland, das die Welt der Entstehung der Heiligen Schrift vom 2. Jahrhundert vor Christus bis zum 2. Jahrhundert nach Christus anhand von originalen archäologischen Funden erklärt. Das Museum sei das einzige über Deutschland hinaus, das einen Vertrag mit der israelischen Antikenverwaltung geschlossen habe, um Grabungsfunde aus Israel eigenständig ausstellen zu dürfen. "Wir blicken in die Welt hinter den Texten und erschließen die Lebenswelt ihres Entstehens", sagte Schefzyk.

"Ich war von der Nachricht schockiert", sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München, Klaus Ceynowa, dem epd. "Eine Schließung des Bibelhaus-Erlebnis-Museums wäre ein Verlust, der unersetzlich wäre." Die Bedeutung des Museums "kann nicht hoch genug eingeschätzt werden". Es brauche in Deutschland zwingend einen Ort, der sich mit der Bibel auseinandersetzt in einer Weise, wie es das Bibelhaus tue. Dessen wissenschaftliche Präsentations-Standards stünden weit über denen des großen, 2017 in Washington mit evangelikalem Hintergrund privat gegründeten "Museum of the Bible". Indem das Bibelhaus Exponate anderer Institutionen zu Ausstellungen zusammenführe, mache es wie keine andere Institution die Bibel sichtbar.

Der Präsident des Museumsträgers Frankfurter Bibelgesellschaft, Thomas Kreuzer, bezeichnete die Beschlussvorlage der Kirchenleitung als Fehler. Das Bibelhaus sei eines der "Leuchtturmprojekte" der EKHN und zentrales Element der Vermittlungsarbeit der Bibelgesellschaft. In einer Zeit, in der Religionen zueinander finden sollen, gebe es mit dem Bibelhaus einen Ort, wo Schüler sich interkulturell über ihre Religionen austauschten, sagte Kreuzer. Er hoffe, dass das Museum mit seinen rund 25.000 bis 30.000 Besuchern im Jahr bestehen bleibe. Der Präses (Vorsitzende) der Kirchensynode, Ulrich Oelschläger, sagte, er sei nicht glücklich über die Beschlussvorlage. Er könne sich vorstellen, dass die vorgesehene Frist des Zuschusses über 2024 hinaus verlängert werde.

Das Museum leiste mit vielen religiös gemischten Schulklassen eine Bildungsaufgabe und sei ein Forum für interreligiöse Gespräche, erläuterte Museumsdirektor Schefzyk. Mit der historischen Lesart der Bibel anhand von originalen archäologischen Objekten stehe das Haus auch an der Seite derjenigen Wissenschaftler, die den Islam historisch interpretierten. "Unsere Vermittlung öffnet den Horizont und beugt fundamentalistischen Positionen vor."

Mit einer Schließung würde auch ein wichtiger Baustein in den deutsch-israelischen Kulturbeziehungen und der universitären Kooperation verloren gehen, sagte der Direktor. Das Museum arbeite mit mehr als zehn Universitäten zusammen und vermittle deren Forschungsergebnisse an die Besucher. Zu den herausragenden Ausstellungen der vergangenen Jahre gehörte eine Schau mit den ältesten Schriftstücken des Neuen Testamens aus Ägypten oder eine Ausstellung mit allen bedeutenden Schriften der Reformation aus Deutschland, die der damalige Bundespräsident Joachim Gauck eröffnete.

Die Kirchensynode hatte vor einem Jahr einen Neubau des Museums an anderem Ort aus Kostengründen abgelehnt und Prüfaufträge zur zukünftigen Arbeit des Bibelhauses der Kirchenleitung erteilt. Die Idee, den Standort an die alte Mainzer Domkirche St. Johannis zu verlegen, wurde von dieser wie von dem Bibelhaus abgelehnt. Der Vorschlag, das Haus als Ableger des Religionspädagogischen Instituts (RPI) der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen fortzuführen, wurde vom RPI abgelehnt. Für eine Erneuerung des Museums bezifferte die Kirchenleitung einen Kostenrahmen zwischen 2,5 Millionen Euro ohne Ausstellungsstücke und 10,5 Millionen Euro mit den archäologischen Exponaten.

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