Auch Kirchenvertreter häufiger Ziel von Anfeindungen

Darmstadt, Speyer, Düsseldorf, Kassel (epd)

Nicht nur Politiker und Verwaltungsmitarbeiter, auch Kirchenvertreter haben immer häufiger mit Anfeindungen zu tun. Die evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und Hessen registrieren eine wachsende Zahl beleidigender E-Mails, haben aber bislang von Strafanzeigen gegen die Verfasser abgesehen. "Der Ton ist auch bei uns ruppiger geworden", sagte Stephan Krebs, Leiter des Stabsbereichs Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Oft gebe es auch eine größere Anzahl gleichlautender Mails, was auf den Einsatz von Social Bots hinweise.

Typische Aufregerthemen umfassen nach Aussage des Darmstädter Oberkirchenrats Äußerungen leitender Kirchenvertreter zur Asyl- und Flüchtlingspolitik oder zur Homosexualität. Unangemessene Reaktionen gebe es aber relativ häufig auch an Weihnachten oder bei Konfirmationen, wenn die Plätze in den Kirchen nicht für alle Gottesdienstbesucher ausreichen. In der Evangelischen Kirche der Pfalz gerieten Kirchenvertreter nach dem Mord an einer Schülerin in Kandel in den Fokus flüchtlingsfeindlicher Hetze. Verbale Angriffe auf den Kirchenpräsidenten seien mit Drohungen verbunden gewesen, sagte Pressesprecher Wolfgang Schumacher. "Eine oder zwei davon haben wir unseren Juristen weitergeleitet."

In der Evangelischen Kirche im Rheinland beobachten die Verantwortlichen, dass beleidigende Schreiben zunehmend auch unter Klarnamen abgeschickt werden und beklagen eine "verbale Aufrüstung". Juristisch verfolgt habe die rheinische Kirche Zuschriften bislang nicht. Auf Anzeigen verzichtete bislang auch die Spitze der kurhessischen Kirche, wo auch der Dialog mit Muslimen zuletzt vermehrt Anlass zu Anfeindungen lieferte.