"Wir schaffen es noch bis Ostern"

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Peter Barbian, Geschäftsführer der Erholungs- und Bildungsstätte Langau
Aus für die Langau? Erholungsstätte für Familien mit behinderten Kindern muss erste pädagogische Angebote aufgeben
Steingaden (epd)

Umsatzeinbußen und drohendes Aus im Frühjahr 2021: Die Bildungs- und Erholungsstätte Langau e.V. mit ihrem bundesweit einmaligen Freizeitkonzept für Familien mit behinderten Kindern leidet massiv unter den Auswirkungen der Corona-Krise. "Die Situation ist sehr ernst", sagt Geschäftsführer Peter Barbian bei einem Rundgang durch das leere Tagungshaus im Allgäu, das erst 2017 für zehn Millionen Euro saniert worden ist. Im vergangenen Herbst tummelten sich hier rund 90 Gäste. Dieses Jahr geht der Besuch gegen null: Lediglich ein Ehepaar ist an diesem Tag zu Gast im bayerischen Steingaden.

Die Einrichtung musste den Betrieb von März bis Juni 2020 komplett einstellen. Auch die Aussicht ist düster: "Wir haben Stornierungen bis 2021 und rechnen allein für dieses Jahr mit einem Ausfall von 600.000 Euro", sagt Barbian. Rücklagen darf der gemeinnützige Verein nicht bilden. Das Tagungshaus steht vor dem finanziellen Aus.

125 Menschen können in der Bildungs- und Erholungsstätte gleichzeitig unterkommen, erlaubt sind aktuell wegen der Hygieneauflagen nur 40 Hausgäste. Dazu kommt, dass Klassenfahrten und Studienveranstaltungen bis Ende Januar 2021 komplett untersagt sind. Viele Behindertenverbände empfehlen ihren Mitgliedern, gar keine Reisen zu unternehmen, und Seniorengruppen stornieren aufgrund des Infektionsrisikos.

Die finanzielle Notlage macht sich indes bereits bemerkbar: "Unser pädagogisches Angebot stirbt gerade eins nach dem anderen aus", sagt der Langau-Chef. Er schließt die Tür zu einem extra Bereich auf, der im Zuge der Umbauten für Demenzkranke geschaffen wurde. In dem großen Aufenthaltsraum mit angrenzendem Außenbereich ist ein besonderes Arbeitsfeld der Langau verortet: "Entlastungsangebote für Angehörige von Menschen mit Demenz." Das über Jahre aufgebaute Programm steht nun auf der Kippe: "Wir werden es wohl zum Jahresende aufgeben müssen. Das ist sehr bitter für uns alle", sagt der Diakon.

Das bundesweit einmalige Arbeitsgebiet "Väter von Kindern mit Behinderung" musste bereits zum 1. September eingestellt werden. Ein pädagogisches Angebot für Alleinerziehende von Kindern mit Behinderung ist bedroht.

Barbian dreht nun an sämtlichen Stellschrauben, um das endgültige Aus der Langau zu verhindern: "Wir diskutieren alle Möglichkeiten. Von der Entwicklung zusätzlicher Einnahmefelder bis hin zur kompletten Schließung, bis die Krise vorbei ist. Wir alle hier werden alles tun, damit die Langau überlebt." Um die Kosten zu senken, befinden sich fast alle Mitarbeitenden in Kurzarbeit - Ende 2020 drohen dennoch erste Kündigungen. Um zusätzliche Einnahmen zu erzielen, improvisierte die Langau ein Gartencafé und einen kleinen Shop. Barbian nutzt alle Hilfsmöglichkeiten der Förderstellen, die mit der Langau verbunden sind.

Kleine Erfolge gibt es zu vermelden: Das bayerische Sozialministerium stellt weitere Hilfen in Aussicht und betonte auf Anfrage, dass die Langau "einen herausragenden Beitrag für Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft" leiste und "hervorragend" geführt sei. Auch das Bundesfamilienministerium bezeichnet die mögliche Schließung der Langau als "erheblichen Verlust".

Kirchenrätin Bettina Naumann, Diakonie-Referentin der bayerischen evangelischen Landeskirche, ist sich ebenfalls der Notlage bewusst. Sie wolle noch nicht über eine Schließung nachdenken, wisse aber, dass derzeit "gerade die Geschäftsführer solcher Häuser wahnsinnig viel stemmen" müssten. Finanzielle Unterstützung könnte der Tagungsstätte aus den sogenannten "Corona-Hilfen" der Landeskirche zugutekommen. Barbian zeigte sich vorsichtig optimistisch. "Wenn alle Hilfen so eintreffen wie erhofft, schaffen wir es zumindest mal bis Ostern 2021." Doch danach geht das Bangen weiter.

Ein Sehnsuchtsort sei die Langau für viele Menschen, sagt Barbian zum Ende des Rundgangs: "Er gibt ihnen Kraft für den anstrengenden Alltag, macht sie leicht und frei." Die Vorstellung, dass es die Langau nach Corona nicht mehr geben soll, "die macht mich sehr traurig".

Von Larissa Launhardt (epd)