Medizinerin rät: Entscheidung für oder gegen Organspende treffen

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Organsspenderausweise
München (epd).

Jeder sollte sich nach Expertenmeinung mit der Frage beschäftigen, ob er nach dem Tod Organe spenden möchte oder nicht. Diese Entscheidung sollte man nicht den Angehörigen überlassen, sagte Angelika Eder, Geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation in der Region Bayern, dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Tag der Organspende (4. Juni). Die Entscheidung könne man in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung festhalten - und auf alle Fälle innerhalb der eigenen Familie kommunizieren.

Wenn im Krankenhaus am Lebensende die Frage nach einer Organspende gestellt wird, müssten in mehr als der Hälfte aller Fälle die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen oder nach eigenen Wertvorstellungen entscheiden, sagte Eder. Die Angehörigen seien damit angesichts eines verstorbenen Familienmitglieds aber oftmals überfordert. Für die Gespräche mit den Angehörigen sei es wichtig, dass sie alle notwendigen Informationen erhalten und ausreichend Zeit und Ruhe haben, um eine stabile Entscheidung zu treffen.

Die medizinische Voraussetzung für eine Organspende nach dem Tod ist laut Eder die Feststellung des Hirntods. Das bedeutet, dass die Funktionen des Gehirns unwiederbringlich erloschen sind. Das Herz- und Kreislaufsystem wird künstlich aufrechterhalten. Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Darm können nur von Toten gespendet werden, eine Niere oder Teile der Leber auch von lebenden Spendern. Zahlenmäßig warten die meisten Patienten auf eine neue Niere. Denn mithilfe von Dialyse können Menschen über Jahre mit einer kaputten Niere überleben. Wer dagegen ein Herz oder eine Lunge benötigt, könne meist nur maximal ein Jahr auf ein Spenderorgan warten, sagte Eder. Dann verstürben die meisten Patienten oder seien so krank, dass man kein Organ mehr transplantieren könne.

Um sich für eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden, sei keine medizinische Untersuchung nötig, sagte Eder. Es gebe auch keine Altersbegrenzung. Wenn es zu einer Organspende kommt, entscheiden die Ärzte, ob die Organe zur Transplantation geeignet sind. Seit einigen Jahren würden auch Organspenden älterer Menschen zunehmend akzeptiert, da die Ergebnisse der Transplantationen überzeugend gut seien. Allerdings seien dann in vielen Fällen aufgrund von Vorerkrankungen längere und aufwendigere Untersuchungen des Organspenders notwendig, um den Schutz des Empfängers zu gewährleisten.

Im 1. Quartal 2022 gab es bundesweit einen massiven Einbruch bei der Zahl der Organspender, davon war auch Bayern betroffen. Die Arbeitsüberlastung in den Kliniken aufgrund des erhöhten Personalausfalls auf den Intensivstationen wegen der Corona-Pandemie hat sich laut Eder in den ersten Monaten des Jahres drastisch verschärft. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass weniger Organspenden realisiert werden konnten, als unter normalen Umständen möglich gewesen wären.

Zum Ende des vergangenen Jahres standen in Bayern mehr als 1.000 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation, bundesweit waren es 8.448. In bayerischen Transplantationszentren wurden im vergangenen Jahr 406 Organe nach einer postmortalen Spende übertragen, bundesweit waren es 2.979. (01/1931/30.05.2022)

epd-Gespräch: Christiane Ried